3. Bedienungsanleitung

3.01 In- und Außerbetriebsetzung

Um bei einem Kraftrad die polizeiliche Zulassung zu erwirken, ist es erforder­lich, mit dem Eigentumsnachweis (Kaufvertrag) sowie dem technischen Gut­achten die für den Wohnsitz des Besitzers zuständige Kraftfahrzeug-Zulassungs­stelle aufzusuchen.

Nach Vorlage des Eigentumsnachweises sowie des technischen Gutachtens wird dem Besitzer die polizeiliche Kennzeichennummer bekanntgegeben sowie ein Kraftfahrzeugsteuer- und Versicherungsantrag ausgehändigt.

Nach Entrichtung der Steuer sowie des Versicherungsbeitrags wird von der Zulassungsstelle der Kfz- Zulassungsschein sowie das geprägte Kennzeichen ausgehändigt.

Bei der Abmeldung bzw. vorübergehenden Stillegung des Kraftrads muß die Abmeldung schriftlich unter gleichzeitiger Beifügung von Kfz- Zulassungsschein sowie geprägtem Kennzeichenschild bei der Zulassungsstelle erfolgen.

Vom Tage der polizeilichen Abmeldung an wird dem Besitzer die Kraftfahr­zeugsteuer sowie der Versicherungsbeitrag gutgeschrieben.




3.011 Vorbereitung zur Fahrt



Vor Antritt der Fahrt sind folgende Arbeiten durchzuführen:

1. Kraftstoffvorrat im Tank prüfen und evtl. ergänzen.


2. Ölstand im Kurbelgehäuse mit Meßstab prüfen.

3. Ölstand im Getriebe prüfen.

4. Ölstand im Hinterradantrieb prüfen.

}

siehe Bild 65a), b) u. c)

Wenn erforderlich,

ergänzen.


5. Reifenluftdruck prüfen! Der Belastung entsprechend, wie unter 1.10 beschrieben, korrigieren.


6. Fußbremse prüfen.

7. Handbremse prüfen.

}

Im Stand auf Gangbarkeit, nach

kurzer Fahrstrecke die Wirkung.


8. Bei Seitenwagenbetrieb darauf achten, daß sämtliche Anschlüsse fest an­gezogen sind.

9. Beleuchtungsanlage und Signalhorn prüfen!


3.012 Anwerfen des Motors



1. Schalthebel des Getriebes auf Leerlauf stellen.

2. Kraftstoffhahn auf „Auf" stellen.

3. Bei kaltem Motor durch Niederdrücken des Tupfers Kraftstoff zum über­laufen bringen.

4. Zündung einschalten (rote Ladekontrolleuchte muß aufleuchten).

5. Zündverstellhebel auf Spätzündung zurücknehmen.

6. Gasdrehgriff etwa 1/4öffnen.

7.Kickstarter so oft kräftig nach unten treten, bis Motor anspringt.

8. Motor vor dem Anfahren mit mäßiger Drehzahl warmlaufen lassen.

Bild 63 d Kraftstoffhahnstellung „Auf"


3.013 Abstellen von Motor und Fahrzeug



1. Gasdrehgriff schließen.

2. Zündung ausschalten (beim Parken auf öffentlichen Straßen und Plätzen Schlüssel abziehen).

bei Dunkelheit vorher Standlicht einschalten.

3. Kraftstoffhahn schließen.

4. Maschine auf Kippständer stellen. Beim Abstellen an einer Bordkante den ersten Gang als Abrollsicherung einschalten.

5. Soll die Maschine für längere Zeit außer Betrieb gesetzt werden (ca. 6 ... 8 Wochen), so ist nach Herausnehmen der Zündkerze der Zylinder­raum bei Kolbenstellung „UT" mit Konservierungsmittel „Custanol F" ein­zunebeln.

Im vorstehenden Fall empfiehlt es sich, eine gründliche Reinigung der Maschine vorzunehmen und alle blanken Teile mit Vaseline einzufetten. Die Batterie soll ausgebaut und einer IKA-Vertragswerkstatt zur Pflege übergeben werden.

Zur Erhaltung der Bereifung ist anzuraten, das Vorder- und Hinterrad bei vermindertem Reifenluftdruck zu entlasten.



Bild 65 a

Bild 65 b

Bild 65 c



Bildreihe 65

Ölstände prüfen





3.014 Winterbetrieb

Um stete Betriebsbereitschaft der Maschine auch im Winter zu gewährleisten, müssen folgende Punkte beachtet werden:

  1. Maschine möglichst an windgeschützter Stelle aufstellen.

  2. Motor, Getriebe und Hinterradantrieb mit Winteröl füllen.

  3. Um das Einfrieren der Bowdenseile in den Hüllen zu vermeiden, müssen diese an den Ein- und Austrittsstellen mit Fett eingeschmiert werden. Das Abschmieren der Züge selbst darf aber nur mit Motorenöl erfolgen!

  4. Nach dem Anwerfen des Motors muß dieser erst genügend warmlaufen, weil bei kaltem Motor der Verschleiß außerordentlich hoch ist.

  5. Bei Seitenwagenbetrieb besteht die Möglichkeit, auf das Hinterrad eine Schneekette aufzulegen.




3.02 Fahrvorschriften



3.021 Anfahren

Beim Anfahren ist folgendes zu beachten:

1. Kupplung durch Ziehen des Handhebels links am Lenker ausheben.

2. Durch Niedertreten des Fußschalthebels ersten Gang einschalten.

3. Kupplungshebel unter gleichzeitigem Gasgeben langsam zurücklassen, damit sich die Maschine stoßfrei in Bewegung setzen kann.



3.022 Schalten

1. Aufwärtsschalten

Nach dem Anfahren im ersten Gang ist der Gasdrehgriff zu schließen, wobei gleichzeitig auszukuppeln ist. Kurz hierauf wird durch Anheben des Fußschalt­hebels bis zum Anschlag auf den zweiten Gang geschaltet. Nach kurzer Fahr­strecke wiederholt sich der geschilderte Schaltvorgang beim Schalten auf den dritten Gang, ebenso nach Erreichen einer Geschwindigkeit von etwa 45 km/h beim Schalten auf den vierten Gang.

Der Zündverstellhebel ist beim Fahren im vierten Gang bei Geschwindigkeiten über 60 km/h stets auf volle Frühzündung zu stellen.

Beim Fahren mit niedrigen Geschwindigkeiten, vor allem beim Befahren von Steigungen, ist der Zündhebel etwas zurückzunehmen (auf Spätzündung).

2. Abwärtsschalten

Beim Zurückschalten vom vierten auf den dritten Gang ist folgendes zu beachten:

1. Gas unter gleichzeitigem Auskuppeln etwas zurücknehmen.

2. Fußschalthebel nach unten bis zum Anschlag durchtreten.

3. Zwischengas geben, damit sich die Motordrehzahl der Getriebedrehzahl angleicht.

4. Kupplung langsam wieder einlassen und nach Bedarf Gas geben.

5. Beim Abwärtsschalten vom dritten auf den zweiten Gang wiederholen sich die Vorgänge wie vorstehend, ebenso beim Zurückschalten vom zweiten auf den ersten Gang.

6. Durch Hochziehen des Fußschalthebels aus dem ersten Gang (bzw. durch Niedertreten aus dem zweiten) bis auf halben Schaltweg wird die Leerlauf­stellung erreicht.

Beim Befahren von Steigungen ist rechtzeitig auf einen kleineren Gang zurück­zuschalten, damit genügend Leistung zur Verfügung steht. Man versuche nicht, mit dem großen Gang alle Steigungen zu erzwingen, weil dadurch erhöhter Materialverschleiß eintritt.



3.023 Bremsen

Ein guter Motorradfahrer benutzt die Bremsen so wenig wie möglich, sondern nutzt die Bremskraft des Motors weitgehend aus.

Man richte seine Fahrweise so ein, daß man die Maschine in allen Verkehrs­situationen immer in der Gewalt hat und sie auf kürzeste Entfernung zum Heilten bringen kann.

Zu scharfes Betätigen der Bremsen bewirkt ein Blockieren der Räder, wodurch schwere Stürze verursacht bzw. andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr gebracht werden können.




3.03 Einfahrvorschriften

Damit der Motor und die Triebwerksteile einwandfrei einlaufen, muß die Maschine schonend, unter Einhaltung der nachstehenden Geschwindigkeits­begrenzungen, eingefahren werden.

Während der Einfahrzeit dürfen folgende Geschwindigkeiten nicht überschritten werden:

0... 1000 km 1000.. 2000 km

1.Gang 10... 15 km/h 15 . . . 20 km/h

2. Gang 20 ... 25 km/h 30 ... ..35 km/h

3. Gang 35 ... 45 km/h 45 ... ..50 km/h

4. Gang 50 . . . 60 km/h 60 . . . 70 km/h

Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß zum guten Einlaufen der Maschine ein zügiges Fahren unbedingt erforderlich ist. Die genannten Höchst­geschwindigkeiten für die einzelnen Gänge sollten jeweils nur auf kurzen Strecken von 200 . . . 500 m gefahren werden, dann ist wieder Gas wegzunehmen und die Maschine rollen zu lassen.

Hierdurch wird die thermische Belastung des Motors, insbesondere die des Kolbens, nicht zu hoch, so daß ein gutes Einlaufen aller Triebwerksteile erfolgen kann. Zwischen den ersten 2000 und 3000 km Fahrtstrecke ist die Höchstgeschwindigkeit noch auf kürzere Strecken zu beschränken. Erst nach 3000 km Fahrtstrecke kann die Maschine voll beansprucht werden. In der Einfahrzeit ist das unter 3.022 erwähnte rechtzeitige Zurückschalten an Steigungen besonders zu beachten, denn auch bei zu langsamem Fahren, d. h. zu geringer Drehzahl, werden die Triebwerksteile stark beansprucht. Besonders ist darauf zu achten, daß der Zündverstellhebel immer entsprechend der jeweiligen Motordrehzahl zu stellen ist, d. h., bei geringer Drehzahl ist nur halbe Frühzündung zu geben, volle Frühzündung nur bei hohen Dreh­zahlen und geringer Belastung.

Um Beschädigungen der Triebwerksteile zu vermeiden, sollen folgende Höchst­geschwindigkeiten auch bei eingefahrener Maschine nicht überschritten werden:

  1. Gang 20 km/h

  1. Gang 40 km/h

  2. Gang 70 km/h