2.024 Radantrieb

Bild 39 Der Hinterradantrieb aufgebrochen

Der Hinterradantrieb hat die Aufgabe, das Drehmoment der in Fahrtrichtung hegenden Hauptwellen durch einen Winkeltrieb auf das Laufrad zu übertragen [Bild 39]. Die Lagerungen des Triebes sowie die Treibräder selbst sind so kräftig ausgebildet, daß auch bei starker Beanspruchung kaum Schäden auf­treten können. Der Einbau von Ritzel und Tellerrad ist von seilen des Werkes hinsichtlich ihrer Distanzierung durch Beilegen von Scheiben gewissenhaft ausgeführt und gewährleistet so einen einwandfreien, ruhigen Lauf und eine lange Lebensdauer. Die verwendeten hochlegierten Stahlsorten werden durch Schmieden und geeignete Warmbehandlungen in einen Zustand gebracht, der den hohen Anforderungen dieses Triebes auf Festigkeit entspricht. Die Tauch- Schmierung des Tellerrades sorgt für Spritzöl, so daß Zahnflanken und Kugellager reichlich mit Öl versorgt werden.



Bild 40

Hinterrad-Antriebsgehäuse mit eingebautem Gelenkstück







Bild 41

Montiertes Hinterrad-Antriebsgehäuse mit abgenommenem Lagerdeckel

Das Hinterrad- Antriebsgehäuse ist aus einer hochfesten Al-Legierung gegossen, l Der Hauptkörper ist ein tellerartiger Raum, der in seiner Größe dem Tellerradi angepaßt ist. Die einseitig nach unten gezogene Vertiefung mit der am Boden befindlichen Ablaßschraube läßt den Ölraum erkennen [Bild 41 (1)]. Für die Öleinfüllschraube ist ein warzenartiger Anguß vorgesehen. Der halsartige ; Anguß und das im Tellerraum befindliche Gußauge [Bild 40 (2)] werden zur Ritzellagerung benötigt. Während der Achshalter auf der linken Seite ein Gußteil für sich ist, ist dieser auf der rechten Seite an das Gehäuse angegossen . [Bild 40 (3)]. Durch ihn ist das im Rahmen befestigte Gleitrohr geführt, er hält l das gesamte Gehäuse in der richtigen Lage und sichert es gleichzeitig gegen Verdrehung. In die Bohrung des Achshalters ist von unten und oben je eine Kunststoffbuchse eingepreßt. Der Raum zwischen diesen dient als Fettkammer.

Inmitten des tellerartigen Gehäuseraumes befindet sich eine Bohrung, die ein Kugellager aufnimmt. Unter diesem Kugellager befindet sich noch ein Radialdichtring, der den Austritt des Öles in die Steckachsenbohrung verhindert [Bild 39 (7)]. Durch das Kugellager wird der Mitnehmerflansch des Tellerrads auf der einen Seite gelagert. Am großen Außendurchmesser des Gehäuses befinden sich zwei Bohrungen, in die der Bolzen für die Bremsbacken [Bild 40 (4)] eingepreßt bzw. der Bremsschlüssel [Bild 40 (5)] für die Fußbremse gelagert wird. Außerdem befinden sich im Tellerradraum noch zwei Bohrungen von 6 mm und 2 mm, die für die Entlüftung des Triebes vorgesehen sind [Bild 40 (6)]. In dem Gehäusehals [Bild 40 (1)], der für die Ritzellagerung angegossen ist, sitzt ein Doppelschräglager. Das im Tellerraum befindliche freiliegende Auge [Bild 40 (2)] dient zur Aufnahme eines Nadellagers, in das der Zapfen des Ritzels eingeschoben wird. Die Abdichtung des Ritzels erfolgt durch einen Dichtring [Bild 39 (5)], der den zylindrischen Teil des Gelenk­stückes umschließt. Das Tellerrad ist auf eine Nabe [Bild 39 (8)] auf­geschrumpft; beide bestehen aus kernfestem, legiertem Stahl. Die hohlgebohrte Nabe hat an der Außenseite einen angedrehten Zapfen, der in ein Kugellager geschoben wird. Die dem Rad zugekehrte Seite wird durch einen Lagerdeckel und eine Papierdichtung von 0,3 mm Dicke öldicht abgeschlossen. Der Deckel nimmt ein Rillenlager auf, das die zweite Lagerstelle für die Nabe darstellt. Das in der Nabe befindliche Keilwellenprofil [Bild 41 (2)] überträgt das Dreh­moment auf die Radnabe.

Hinter dem Kugellager ist im Deckel ein Radialdichtring [Bild 39 (11)] eingepreßt, der, wie der auf der gegenüber-liegenden Seite befindliche Ring, den zylin­drischen Zapfen der Nabe des Tellerrades umschließt. Die Rückseite des Gehäusedeckels, die den Ölraum abschließt, ist so ausgebildet, daß die Brems­backen [Bild 39 (8)], die durch Federn am Bremsschlüssel und am Bolzen anliegen, eine glatte Auflage finden.

Wie schon erwähnt, ist für den Hinterradantrieb Ölbadschmierung vorgesehen, d. h., das umlaufende Tellerrad taucht bis zu einer bestimmten Höhe in Öl ein und schleudert dieses durch das Gehäuse. Die Lagerungen sind so aus­gebildet, daß sie ausreichend mit Öl versorgt werden. Die durch die Reibung im Antrieb entstehende Wärme wird durch das Öl an die Gehäusewand abgegeben und von da aus durch den Fahrtwind abgenommen. Etwa sich bil­dender Überdruck im Gehäuse kann sich durch einen Entlüfter, der im oberen Teil des Gehäuses eingepreßt ist, ohne Ölverlust nach außen ausgleichen.



4.032 Getriebe und Hinterradantrieb

Getriebe und Hinterradantrieb bedürfen außer der Ölerneuerung keiner beson­deren Wartung. Erstmalig nach 2000 km ist das Öl aus Getriebe und Hinter­radantrieb abzulassen und durch neues zu ersetzen. Hierzu werden die Ablaßschrauben unterhalb der beiden Gehäuse entfernt. Die Neubefüllung von Getriebe und Hinterradantrieb erfolgt bis an die unteren Gewindegänge der beiden Einfüllöffnungen.



Die Ölmenge beträgt für das Getriebe 0,4 Liter, für den Hinterradantrieb 0,125 Liter.

Ein regelmäßiger Ölwechsel in Getriebe und Hinterradantrieb erfolgt nach beendeter Einfahrzeit nur nach jeweils

15 000 km. Unabhängig davon ist eine Kontrolle des Ölstands nach Schmierplan alle 1000 km notwendig [Bild 65b]. Hierbei wird der Ölstand ebenfalls bis an die unteren Gewindegänge der Ölfüllöffnungen ergänzt.




5.05 Hinterradantrieb

Ist der Ausbau des Hinterradantriebs erforderlich, so ist das nur nach Aus­bauen der Hinterradfederung an der Getriebeseite möglich. Bei Starrahmen­maschinen ist der Ausbau des Hinterrad-Antriebsgehäuses wesentlich einfacher. Es ist hier ebenfalls der Ausbau des Hinterrades notwendig, jedoch nach Aus­hängen der Bremsgestänge aus dem Bremsschlüssel und vorherigem Heraus­nehmen der Rückzugfeder ist nur das Abdrehen der sechs Hutmuttern von den Schraubenbolzen des Hinterrad-Antriebsgehäuses erforderlich. Danach wird die Kardanwelle aus dem Stoßdämpfergummi herausgezogen. Die Montage erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.

5.051 Aus- und Einbauen des Hinterradantriebs bei Hinterradfederung

Zum Ausbau des Hinterrad-Antriebsgehäuses sind folgende Arbeiten erforderlich:

1. Lösen der Mutter am Achshalter links.

2. Lösen der Mutter für die Steckachse rechts und Herausdrehen der Steck­achse.

3. Herausnehmen des Hinterrades.

4. Abschrauben der Verschlußmutter am Gleitrohr oben.

5. Lösen der Schraube für Stoßdämpfer im Gleitrohr.

6. Hochschrauben der Verkleidungshülse für die Feder.

7. Herausschlagen des Stiftes aus dem Achshalter des Antriebsgehäuses (von vorn nach hinten schlagen) und Herausschrauben des Stoßdämpfers aus dem Gleitrohr.

8. Abschrauben der Verschlußglocke vom Hals des Antriebsgehäuses.

9. Lösen der Klemmschrauben für das Gleitrohr oben und unten.

10. Aushängen der Bremsgestängefeder.

11. Herausnehmen des Bolzens für den Bremsschlüssel am Antriebsgehäuse.

12. Herausziehen des Gleitrohres aus dem Rahmen und dem Achshalter des Antriebsgehäuses nach oben.

13. Herausziehen des oberen Federeinspannstückes aus dem oberen Rahmen­auge.

14. Herausziehen der Gelenkwelle aus dem Stoßdämpfergummi. Die Montage erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.



5.052 Zerlegen des Hinterradantriebs

Sollen Tellerrad und Ritzel ausgebaut werden, so ist eine vollständige Ver­legung des Hinterradantriebs erforderlich:

1. Öl ablassen.

2. Herausnehmen der Sprengringe aus dem Gelenkstück des Ritzels (auf eingelegte Scheiben achten!).

3. Herausdrücken der Nadelbuchse aus Gelenkstück.

4. Herausnehmen des Gelenkkreuzes mit Gelenkwelle.

5. Herausnehmen des Splintes aus dem Ritzelgewindezapfen.

6. Abschrauben der Rundmutter vom Gewindezapfen.

7. Abziehen des Gelenkstückes von der Keilbahn des Ritzels.

8. Herausschrauben des Gewinderinges aus dem Antriebsgehäuse.

9. Bremsbacken vom Deckel des Gehäuses abnehmen.

10. Lösen des Sicherungsdrahtes aus den Sechskantschrauben des Gehäuse­deckels.

11. Herausdrehen der Sechskantschrauben aus dem Gehäuse.

12. Abziehen des Deckels mit Kugellager und Mitnehmerflansch (auf Lich­tung achten), Distanzhülse herausnehmen.

13. Herausdrücken des Ritzels aus dem Nadellager und dem Hals des Antriebs­gehäuses.

14. Abziehen des doppelreihigen Kugellagers von der Ritzelwelle und Aus­pressen des Nadellagers aus dem Gehäuse.

15. Abziehen des kleinen Kugellagers vom Mitnehmerflansch des Tellerrades.

16. Auspressen des Mitnehmerflansches aus dem Gehäusedeckel.

17. Herausziehen des Kugellagers aus dem Gehäusedeckel.



Das so zerlegte Getriebe läßt das Auswechseln der drei Dichtringe zu.

Der Einbau eines neuen Tellerradsatzes ist ohne genaue Meßvorrichtungen und Montageeinrichtungen nicht möglich und deshalb einer Vertragswerkstatt zu überlassen. Nicht genau eingestellte Ritzeldistanz zum Tellerrad führen zu vorzeitigem Verschleiß bzw. zum Ausbrechen der Zähne. Das Auswechseln der Dichtringe ist bei gewissenhafter Arbeit jedoch ohne Gefährdung der Ritzel­distanz möglich. Es ist dann nicht erforderlich, die Teile so weit zu zerlegen, wie vorstehend beschrieben. Der Dichtring auf dem Hals des Gelenkstückes ist nach Ausbauen des Gewinderinges zugänglich. Der Dichtring im Inneren des Gehäuses kann nach Ausbauen des Gehäusedeckels ausgewechselt werden. Der Dichtring im Deckel des Gehäuses kann ohne Demontage des Deckels entnommen werden. Ist jedoch der Einbau eines neuen Kugellagers erforder­lich, so ist die Montage ebenfalls ohne genaue Meßwerkzeuge nicht möglich.

5.053 Zusammenbauen des Hinterradantriebs

Bei Montage von Tellerrad und Ritzel ist durch sorgfältige Messungen die auf den Rädern vorgeschriebene Achsendistanz einzuhalten. Unsachgemäß mon­tierte Radsätze geben Geräusche und führen zu vorzeitigem Verschleiß bzw. zum Ausbrechen der Zähne.