Räder einspeichen

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Paul R 35
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Räder einspeichen

Beitrag von Paul R 35 » 29. September 2007, 23:05

Ich habe heute ein BMW R-35 Hinterrad eingespeicht.

Als erstes die Nabe mit der Bremstrommel nach unten auf den Tisch legen.
Danach die Felge richtig ausgerichtet dazu.
Wie rum man die Felge legen muss sieht man sehr gut an den Punzungen.
Dazu zur Probe eine lange Speiche an der Nabe in ein Loch der Reihe 2, die näher zur Nabenmitte liegt einstecken.
Wenn die Felge richtig rum liegt, fängt man mit dieser Speiche auch gleich an, am besten neben dem Ventilloch 3.
Weiter geht es immer an der gleichen Lochreihe der Nabe und über ein Loch auf der Oberseite der Felge 4.
Die Nippel an den Speichen erstmals nur anheften:
Bild

Wenn die letzte Speiche dieser Reihe drin ist, sieht das ganze so aus:
Bild

Danach die zweite Reihe 5 erstmal komplett einstecken, ohne die Nippel draufzuschrauben 6.
Die Nippel erst draufschrauben wenn alle Speichen dieser Reihe durchgesteckt sind,
sonst lässt die Nabe sich nicht mehr genug bewegen und man muss die Speichen beim einstecken biegen,
oder man zerkratzt die Felge:
Bild

So sieht es aus, wenn die zweite Reihe kompett durchgesteckt ist:
Bild

Jetzt kann man auch die Nippel aufschrauben. Alle Nippel (beider Speichenreihen) gleich weit auf die Speichn aufschrauben.
Ich habe sie einfach soweit aufgeschraubt, biss das Gewinde komplett verdeckt war:
Bild

Als nächstes drehen wir das Rad auf die andere Seite:
Bild

Weiter geht es mit dem Durchstecken der Speichen von der Aussenseite der Bremstrommel nach innen.
Dazu muss man die Nabe anheben.
Hier werden auch zu erst ale Speichen durchgesteckt, ohne die Nippel aufzuschrauben:
Bild

Das Ergebnis, wenn alle Speichen durchgesteckt und sortiert sind.
Die Speichen sehen etwas kurz aus, wel sie nicht im richtigen Winkel liegen:
Bild

So sieht das Ganze aus, wenn die Nippel nur angeheftet sind:
Bild

Jetzt sind die Nippel von Hand gleichmäßig, biss das Gewinde nicht mehr sichtbar ist angezogen:
Bild

Um die letzte Speichenreihe durchstecken zu können,
muss das Rad von der Mitte des Tisches mit dem Nabenrand etwas über den Tischrand gezogen werden.
Hier kann man die Nippel gleich auf jede Speiche draufschrauben:
Bild

Das komplett eingespeichte Rad.
Noch sind die Nippel nur von Hand soweit angezogen, dass die Speichen nicht wackeln:
Bild

Da ich keine extra Vorrichtung für diese Arbeit habe, spannte ich einfach als Achse ein abgedrehtes
Rundeisen mit einem Bund in den Schraubstock.
Die "Achse" wird mit der Wasserwaage genau senkrecht ausgerichtet:
Bild

Danach wird in einem zweiten Schraubstock ein Flacheisen senkrecht eingespannt.
Dieser Schraubstock muss so angebracht werden, dass das Flacheisen mit dem Rand,
der zum ersten Scraubstock schaut, unter dem Felgenrand ist:
Bild

Die Höhe des Flacheisens wird genau auf die Höhe des Bundes auf der "Achse" eingestellt:
Bild

Jetzt wird das Rad auf die "Achse" gesteckt.
In meinem Fall lief das Rad gleich fast ideal rund, Höhenschlag und Seitenschlag betrugen nach dem Zusammenbau jeweils ca. 2 mm.
Ist das nicht der Fall, sollte man das Rad einigermaßen zum Rundlauf bringen.
Da der Bund auf dem sich die Radnabe abstzüt auf gleicher Höhe liegt wie die Oberkante des Flacheisens,
kann man von der Oberkante des Flacheisens der Versatz ableiten.
Der Versatz wurde vorher an dem Rad von meiner Maschine nachgemessen.
Bei meinem Muster-Rad lag dieses Maß bei 7 mm.
An dem Flacheisen wird mit einer Schraubzwinge ein viereckiges Plastikstück (dass beim Kontakt mit dem Felgenrand,
die Felge nicht zerkratzt wird) befestigt.
Die Oberkante des Plastikstücks wird von der Oberkante des Flacheisens auf das Versatzmaß eingestellt.
Die Seitenkante (Blau markiert) auf den Aussenrand der Felge einstellen.
Hier sieht man, dass der Felgenrand viel zu "hoch" ist, also zu weit vom Plastikstück mit dem exakten Versatzmaß entfernt.:
Bild

Um den Felgenrand nach unten zu bewegen, werden die Nippel der oberen Speichen gleichmäßig um eine Umdrehung gelöst:
Bild

Danach werden die unteren Speichen nachgezogen.
Hier sieht man, dass der Versatz jetzt stimmt:
Bild

Jetzt muss man nur noch den Rundlauf einstellen und überprüfen, dass die Speichen gleichmäßig angezogen sind.
Danach nachschauen, ob es überstehende Speichen gibt, Falls ja, sie einfach abschleifen:
Bild

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Beitrag von EMW-Junkie » 29. September 2007, 23:15

Irre :shock: , der Mann hats ja sowieso drauf, aber mit dem archivierten Wissen und dem Bildmaterial sollte er wirklich mal überlegen, ob man das nicht in Buchform veröffentlichen sollte. :king:
BildOldis fahren und daran schrauben macht süchtig!Bild

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Beitrag von emw-ute » 29. September 2007, 23:56

Dem kann ich mich nur anschließen :top: .

Ich hatte mein Leben lang Respekt vor Leuten, die sich wirklich ein Fachwissen angeeignet haben und dieses auch ohne Prahlerei weitergeben. Letztlich dient dieses Forum dazu, dass die meisten von uns zumindest ihre Erfahrungen an Dritte weitergeben wollen, damit andere nicht die gleichen Fehler begehen.

Das was hier, von Paul, allerdings eingebracht wird, nötigt wirklich höchsten Respekt ab.

k.
2 Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir allerdings noch nicht sicher (Einstein).

Es gruessen emw-ute & klaus & die 55er emw.

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Beitrag von Takin Treiber » 30. September 2007, 05:47

respekt :top:

meine laune bessert sich :)

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Beitrag von Gobi » 30. September 2007, 13:42

Ich hab den Beitrag mal geteilt..... ;-)
Mal wieder große Klasse Paul!
Wenn du tot bist, dann bist du lange Zeit tot.
Burt Munro

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Beitrag von bergth » 30. September 2007, 18:12

EMW-Junkie hat geschrieben:Irre :shock: , der Mann hats ja sowieso drauf, aber mit dem archivierten Wissen und dem Bildmaterial sollte er wirklich mal überlegen, ob man das nicht in Buchform veröffentlichen sollte. :king:

meine meinung
ich sag doch schon lange pauls berichte gehören in einen seperaten teil des forums... sozusagen die creme de la creme aller beiträge :top:
...unterwegs im Namen des Herrn!

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Beitrag von Gobi » 30. September 2007, 18:43

Aber hast Du die Nippel wirklich nur mit dem Schraubenzieher angezogen? Kann ich mir kaum vorstellen...
Wenn du tot bist, dann bist du lange Zeit tot.
Burt Munro

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Beitrag von Lobo » 30. September 2007, 19:30

Super Anleitung! Danke Paul !!!
Der mit dem GEWO

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Beitrag von Paul R 35 » 30. September 2007, 19:36

Gobi hat geschrieben:Aber hast Du die Nippel wirklich nur mit dem Schraubenzieher angezogen? Kann ich mir kaum vorstellen...
Nein, mit dem Schraubenzieher habe ich sie nur grob eingestellt.

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Beitrag von Tosch » 30. September 2007, 21:25

Super !!!

:king:

Gruß
Tosch

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Beitrag von Koppi » 21. Mai 2008, 20:26

Hut ab ,Klasse Beschreibung :D
Das hat mir Mut gemacht mein Hinterrad neu Einzuspeichen.
Bei meiner heutigen Ausfahrt hat mir eine zerbrochene Speiche den
Schlauch durchstossen,so das ich schlingernd in einer Kurve zum
stehen kam.
Das ist schon die 7. Speiche ,lang und kurz gemischt,das nervt.
Ist der Versatz generell 7 mm ? Meine EMW ist eine 54er
es grüsst Jens aus Erlangen

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Beitrag von Paul R 35 » 21. Mai 2008, 21:02

Koppi hat geschrieben: Ist der Versatz generell 7 mm ? Meine EMW ist eine 54er
es grüsst Jens aus Erlangen
Das weiß ich leider nicht, ich habe einfach an meinem alten Rad nachgemessen. Es ist aber ein BMW Rad (Starrahmen).

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Re: Räder einspeichen

Beitrag von Tabun » 25. September 2009, 23:59

....ich greife mal die Sache mit dem Versatz noch einmal auf....

Paul - hast recht, für das Hinterrad der R35/Starrahmen (Felge mit Sicke) beträgt der Versatz 7mm.

Wie ist er denn beim Vorderrad? Hast du dieses Maß auch schon mal abgenommen? Ich hätte da 10mm anzubieten (wieder Felge mit Sicke)

Wie ist denn der Versatz bei den Felgen ohne Sicke - die sind ja ein bissl breiter.....würde mich mal brennend interessieren....

Grüße

Jens

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Re: Räder einspeichen

Beitrag von Tabun » 27. September 2009, 19:50

....hab heut noch mal den Versatz bei den EMW-Felgen mit Sicke gemessen (alles bei Felgen in Super-Originalzustand)....und dabei kam folgendes heraus:
beim Vorderrad ist der Versatz Felge zu Bremstrommel 8mm und beim Hinterrad 6 mm - alles wie gesagt zutreffend bei den alten Felgenausführungen mit Sicke, bei den Felgen der späteren Ausführungen ist es mit Sicherheit abweichend......
Zuletzt geändert von Tabun am 28. September 2009, 19:44, insgesamt 1-mal geändert.

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Paul R 35
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Re: Räder einspeichen

Beitrag von Paul R 35 » 28. September 2009, 14:38

Jens B. hat geschrieben:....ich greife mal die Sache mit dem Versatz noch einmal auf....

Paul - hast recht, für das Hinterrad der R35/Starrahmen (Felge mit Sicke) beträgt der Versatz 7mm.

Wie ist er denn beim Vorderrad? Hast du dieses Maß auch schon mal abgenommen? Ich hätte da 10mm anzubieten (wieder Felge mit Sicke)

Wie ist denn der Versatz bei den Felgen ohne Sicke - die sind ja ein bissl breiter.....würde mich mal brennend interessieren....

Grüße

Jens
Nein beim Vorderrad habe ich noch nicht nachgemessen.

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