Gab es sowas schon mal?

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Gobi
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Gab es sowas schon mal?

Beitrag von Gobi » 15. Juli 2006, 10:16

Hat jetzt nicht direkt was mit der EMW zu tun, sondern mal allgemein gefragt:
Meine Lieblingsbeschäftigung, wenn ich schon mal autofahren muß, ist auskuppeln.
Mich faziniert immer wieder, welche Energie gerade ein Auto in Bewegung hat, ohne jeden Antrieb vom Motor.
Wenn man z.B. mit guten 50 unterwegs ist und sieht, da vorne wird die Ampel rot, kann man ja problemlos 500 Meter ( und mehr) mit eime erstaunlichen Tempo rollen (wenn ich noch etwas flotter unterwegs bin, habe ich geradezu den Eindruck, das Auto würe noch beschleunigen- kann aber eigentlich nicht sein)
Wie auch immer, es gibt diverse Situationen, wo der Motor mit seiner Leistung bremst, anstatt anzutreiben. Ganz eindeutig ist es ja den Berg runter (ich bin neulich 140 mit durchgetretener Kupplung gerollt- GEIL)
Meine Frage: hat es eigentlich jemals einen Motor gegeben, der sich dieses zu Nutze macht? Sprich, der automatisch auskuppelt und Gas wegnimmt, wenn er nichts zu tun hat? Durch eine Fliehkraftkupplung o.ä.
Neulich hat mal jemand behauptet, es hätte mal einen LKW gegeben, mit so einem Prinzip- genaueres wusste der aber auch nicht.
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Rottitommi

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Beitrag von Rottitommi » 15. Juli 2006, 10:23

Moin Gobi!
Kann ich mir so richtig nicht vorstellen. Mal angenommen, der Bock rollte ohne Motorbremse bei mir hier vor der Haustüre die Rübeländer Steigen runter. O waia!! Das würde nicht gut ausgehen. Der wurde glatt die Abkürzung durch die Planken nehem und ne Schneise ziehen. Lass mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
Tschüss Tommi

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Re: Gab es sowas schon mal?

Beitrag von EMW-Junkie » 15. Juli 2006, 11:26

Gobi hat geschrieben:, der automatisch auskuppelt und Gas wegnimmt, wenn er nichts zu tun hat? Durch eine Fliehkraftkupplung o.ä.
.
Logisch, Trabant und Wartburg hatten sowas :!: Trabbi nur im vierten, Wartburg imma!

Das hieß Freilauf, kuckst Du hier bei techn. Daten :arrow: http://de.wikipedia.org/wiki/Trabant_P50
oda hier :arrow: http://de.wikipedia.org/wiki/Wartburg_%28Pkw%29

War eine tolle Sache, deshalb sieht man noch so viele davon ;-) :mrgreen:

Hat natürlich vorallem den Hintergrund, daß man beim Zweitakter ja sowieso nicht vernünftig mit dem Motor bremsen kann, wegen der Schmierung.
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Beitrag von Gobi » 15. Juli 2006, 21:15

Ah, sehr erstaunlich- kann mir jemand erklären, wie das im Detail funktionierte?
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Beitrag von EMW-Junkie » 15. Juli 2006, 21:56

Ich könnte Dir mal das unglaubliche Meisterwerk "Ich fahre einen Trabant" vorbeibringen...

Der Freilauf sollte aber eigentlich nur das "Schieberuckeln",- was immer das auch sein mag :kotz: beseitigen ;-)
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Beitrag von Paul R 35 » 16. Juli 2006, 09:17

Gobi hat geschrieben:Ah, sehr erstaunlich- kann mir jemand erklären, wie das im Detail funktionierte?
Vom Prinzip her genau wie beim Fahrrad...

Solange man strampelt (Gas gibt) ist der Kraftschluss da, sobald man aufhört (den Fuß vom Gas nimmt) ist er weg.

ascom

Beitrag von ascom » 16. Juli 2006, 09:45

Eine Technik, die sich diese Kräfte zunutze macht, wird auch von einigen Autoherstellern für das eine oder andere Fahrzeug verbaut, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. VW hat zb. Anfang
der Neunziger den Golf Ecomatic und Ende der Neunziger den Lupo 3L mit Schwungnutzautomatik angeboten.

MFG, Ascom

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Beitrag von Gobi » 16. Juli 2006, 10:16

Paul R 35 hat geschrieben: Vom Prinzip her genau wie beim Fahrrad...

Solange man strampelt (Gas gibt) ist der Kaftschluss da, sobald man aufhört (den Fuß vom Gas nimmt) ist er weg.
Hm- das wäre ja eine erstaunlich einfache Lösung, hätte ich als Radfahrer ja auch selbst drauf kommen können....
Dann müsste es ja beim Wartburg so sein, daß wenn ich mit dem Fuß auf dem Gas über eine Anhöhe fahre, dahinter der Motor aufheult, weil er plötzlich nichts mehr zu tun hat- richtig?
Beim zurollen zur Ampel, wird er sich dann aber wohl kaum auskuppeln

Und was bitte ist eine "Schwungnutzautomatik"?
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Beitrag von ascom » 16. Juli 2006, 18:25

Das Konzept Schwungnutzautomatik (SNA) entstand bei Volkswagen Ende der siebziger Jahre vor dem Hintergrund der zweiten Ölkrise.

Die SNA besteht aus einer automatischen Kupplung und einem Start-Stop System. Diese Kombination ermöglicht es, die Kupplung zu öffnen, automatisiert den Motor abzustellen und beim Gasgeben wieder zu starten. Dieses erfolgte nicht nur beim Ampelstop sondern auch während der Fahrt, das System nutzte also den Schwung aus. Es gab zwei Ausführungsformen:

SNA-1: Der Motorstart erfolgt durch den normalen Starter
SNA-2: Der Motorstart erfolgt durch eine Schwungscheibe, die zwischen Kupplung und Motor angeordnet ist und vom Motor durch eine zweite Kupplung getrennt ist. Für das erstmalige Antreiben der Schwungscheibe - und um sie bei längeren Stop-Phasen wieder in Schwung zu bringen - ist ein kleiner zusätzlicher Elektromotor vorhanden.

1980 wollte Volkswagen das SNA-1 Konzept in den USA im Golf einsetzen. Das Ende der Ölkrise bedeutet allerdings auch das Ende dieses Projekts.

1994 war es dann soweit: Die SNA-1 wurde im Golf III (Öko-Golf Ecomatic) eingesetzt. Die automatische Kupplungsbetätigung erfolgte durch einen elektro-pneumatischen Stellmotor, als Steuergerät kam eine Variante des Digimat zum Einsatz.

Im Jahr 1999 wurde das Konzept im Lupo 3L TDI eingesetzt, bei dem neben der Kupplung auch das Getriebe hydraulisch betätigt wurde, die Ansteuerung übernahm ein Variante des Digimat, nun bereits mit CAN-Vernetzung. Um die Servounterstützung für die Bremse zu erhalten, wurde während der Fahrt in den "Segelphasen" nur die Kupplung getrennt, der Motor aber nicht abgestellt.

Heute lebt das Konzept bei den Starter-Generator-Systemen für Niedrigenergiefahrzeuge wieder auf.

Gruß aus Brunsbüttel, Ascom

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Beitrag von Gobi » 16. Juli 2006, 21:39

:shock: WOW, da scheint ja jemand Hintergrundwissen zu haben!
Höchst interessant!!
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Beitrag von lorchen » 17. Juli 2006, 06:01

Die 2-Takt-DKW der 50er hatten sowas auch. Kam ja aus einem Ursprung wie der Wartburg.

Der Freilauf ist im Getriebe angeordnet. Sobald die Drehzahl der antreibenden Welle niedriger wird als die der angetriebenen, trennt der Freilauf die Verbindung. Daß heißt, sobald ich vom Gas gehe, tourt der Motor ab bis auf Standgas, und der Wagen rollt frei. Wenn ich langsam Gas gebe, dreht der Motor wieder hoch bis zu dem Punkt, wo beide Wellen gleiche Drehzahl haben, und der Freilauf schließt die Verbindung. Der Motor kann also hinter einer Anhöhe nicht aufheulen, weil die Eingangsdrehzahl dann höher werden würde als die Ausgangsdrehzahl.

Beim Wartburg ist es ein Klemmrollenfreilauf. Die Rollen werden zwischen einem inneren und einem äußeren rotierenden Zylinder eingeklemmt, wenn der Kraftfluß hergestellt wird. Prinzipiell gesagt.

Es wundert mich, daß es sowas heute nicht mehr gibt. Das ist eine feine Sache, zumal man den Freilauf beim Wartburg auch zwangsweise sperren konnte, den Kraftfluß also permanent herstellen konnte.
Irgendwas ist immer kaputt.

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Beitrag von Gobi » 17. Juli 2006, 07:10

lorchen hat geschrieben:, sobald ich vom Gas gehe, tourt der Motor ab bis auf Standgas, und der Wagen rollt frei.
Das heißt ja, Du rollst auf die Ampel zu, um bei dem Beispiel zu bleiben
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Beitrag von lorchen » 17. Juli 2006, 07:59

Genau, so als wenn kein Gang eingelegt ist. Aber rechtzeitiges Bremsen nicht vergessen. :mrgreen:

Man muß aber beim Halten vor der Ampel dann schon kuppeln. Der Motor würde ja dann irgendwann mal greifen, wenn man immer langsamer wird. Dann ruckelt er im Standgas die Fuhre noch ein Stück weiter bis er schließlich abgewürgt wird.

Angenehme Nebensache dabei: Man kann ohne kuppeln schalten. Runterschalten in einem Zug, hochschalten langsam mit einer Pause im Leerlauf, damit der Motor weit genug abtouren kann.

Na Gobi, jetzt ganz verwirrt? :mrgreen: :lol:
Irgendwas ist immer kaputt.

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Re: Gab es sowas schon mal?

Beitrag von Motofan » 18. Dezember 2014, 18:15

Hallo Admin Gobi !
Zuschaltbare Freiläufe über Bowdenzüge am Getriebe hat es schon bei Chrysler ( 6- Zylinder und mehr ) Anfang der 30iger Jahre ,sowie dazu automatische
Kupplungen gegeben.
MfG Motofan

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Re: Gab es sowas schon mal?

Beitrag von altblechfranz » 12. Januar 2015, 16:11

Einen freilauf hatten vor allem die 2-taker wegen der Schmierung.
Wenn der Gashan zu ist und die Kiste schiebt, wird kaum noch Mischung angesaugt und die Laufgarnitur nicht mehr ausreichend geschmiert.
Bei den modernen Roller Mopeds ist ja eine Getrentschmierung verbaut wodurch das Problem entfällt.

Beim 4-Takter hingegen ist es für Kolben und Zylinder ganz wohltuend wenn in der Einfahr-phase die Motorbremse genutzt wird. Der hohe Unterdruck saugt Öl mit Abrieb aus den Kolbenring Nuten und frisches Öl von unten nach...

:prost:
ein guter zimmermann hat immer was zu nageln! :D

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