Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

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Chris
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Re: Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

Beitrag von Chris » 14. März 2013, 13:54

Hallo zusammen!

Letztes Wochenende hatte ich das schöne Wetter genutzt und den Batterien eine Verjüngungskur angedeihen lassen.

Was habe ich konkret gemacht:

Die Akkus 6 mal mit destilliertem Wasser gespült bis das Wasser glasklar war (aus Beiden kam selbst nach dem 4 Spülgang noch Dreck raus).

Die 30 % Kalilauge nach meiner Berechnung gemischt und zusätzlich noch mit einer Dichtespindel das Mischungsverhältnis kontrolliert, hat alles gestimmt.

Dann beide Akkus über einen Messzylinder (500ml, Made in GDR) vorsichtig bis ca. 1 cm über Platten gefüllt und die Kammern dicht verschlossen.

Seit Sonntag hängen nun beide abwechselnd am Ladefix. Die Ladeschlusspannung beträgt ca. 7,50 V. Die einzelnen Zellen kommen so auf ca. 1,45-1,5V. Die Klemmspannung beträgt ca. 6,50V.

Entladen werden sie schonend mit einer 6V/5W Glühbirne.

Nach meinem Gefühl erhöht sich die Kapazität stetig nach jedem Lade/Entladevorgang.

Könnt Ihr mir vielleicht sagen, wie oft man diesen Zyklus wiederholen muss?

Beim Anschluss einer 5W Birne und 8Ah Akkukapazität sollte sie ja ca. 9,6 h halten. Bisher komme ich auf ca. 4h,
dann wird die Glühbirne schon merklich dunkler.....

Grüsse
Chris

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papi01
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Re: Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

Beitrag von papi01 » 14. März 2013, 15:57

Ich vermute, da ist noch reichlich Schlamm drin.

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Re: Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

Beitrag von hpnbobo » 14. März 2013, 20:15

Hallo Chris,
Ladestrom von 1 Ampere und schneller entladen mit zb 60 watt Birne macht der Batterie schnell wieder fit!!
Versuch mal!! Aufpassen daß er nicht zu warm wirdst
Macht die platten sauberer. :D

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Re: Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

Beitrag von jawafreund » 31. März 2013, 12:23

Gibt es eigentlich die Kalilauge nur in der Apoteke ? (muss man dort erst für viel Geld bestellen) ?!

vg Torsten

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Re: Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

Beitrag von papi01 » 31. März 2013, 14:25

Hallo Torsten. Sieh mal hier: http://www.ebay.de/itm/500g-Elektrolyte ... vi-content

Herstellung

Im Labor kann man Kalilauge durch vorsichtiges Lösen (Wärmeentwicklung!) von Kaliumydroxid in Wasser herstellen. Bei 20 °C lösen sich 1120g Kaliumhydroxid pro Liter Wasser. In der Technik stellte man das Kaliumhydroxid früher mit Pottasche und gelöschtem Kalk her:

K2CO3 + Ca(OH)2 CaCO3 + 2 KOH

Heute gewinnt man Kaliumhydroxid vorwiegend durch eine Elektrolyse von Kaliumchlorid bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse.

Bei der Reaktion von Kalium mit Wasser entsteht zunächst Kaliumhydroxid, das mit Wasser zu Kalilauge weiterreagiert:

2 K + 2 H2O 2 KOH + H2



Die notwenige Rezeptur findst Du hier im NET
Es grüßt der Hans

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Re: Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

Beitrag von schwartztechnik » 30. Januar 2017, 23:53

Bei diesen Akkus handelt es sich um alkalische Taschenplattenakkumulatoren. Sie haben ein L-Entladeverhalten.
Das Besondere an diesen Akkus ist die Tatsache, dass, wenn sie gut gebaut sind, weit über 100 Jahre funktionieren.
Heute werden diese Akkus noch für Oldtimer hergestellt, allerdings von GAZ. Diese Firma, der Nachfolger von GLZ macht absichtlich die Löcher in den Taschen zu groß, damit langsam Aktivmasse austritt und der Akku kaputtgeht! Die gehören jezt zu Enersys (Bleibatteriehersteller), die haben kein Interesse an der Technologie. Daher Hände weg von Nachbauten von GAZ. Alles, was vor 1990 produziert wurde ist wertvoll. Da steht dann GLZ drauf. Ich selbst repariere und untersuche Taschenplattenakkumulatoren, die ältesten die ich habe, stammen aus den 1930er Jahren. Man kann eigentlich sagen, Je älter, desto höher die Qualität. Das Qualitätsbewusstsein war früher höher.
Große Taschenplattenakkus der Edison-Company aus den 1920er-1940er Jahren sind wegen der hohen Qualität in den USA für Solaranlagen sehr begehrt, jedoch sind die, wenn man überhaupt drankommt, so teuer, dass die sich kaum einer leisten kann. Und für die, die sich sowas leisten können, ist es ein Statussymbol. Hochglanzpoliert in dem Plexiglasschrank, natürlich in der Solaranlage in Betrieb.
Das Extremste, was ich mal untersucht hatte, war ein Funkgeräteakku der Wehrmacht. Der hat auch noch nach Einfüllen der Lauge trotz 70 Jahre im Erdboden funktioniert. Auf Anhieb Herstellerkennwerte. Die Anschlussbolzen und das Gehäuse waren allerdings extrem korrodiert.
Doch nun zum "Reaktivieren" etc.
Ein guter Taschenplattenakku geht auch unter Extrembedingungen nicht kaputt, daher muss auch nichts "reaktiviert" werden.
Allerdings brauchen die ähnlich wie ein Motor eben auch Wartung. Das, was beim Motor der Ölwechsel ist, ist beim Taschenplattenakku der Laugewechsel.
Die Lauge zieht begierig CO2 aus der Luft an. Dann entsteht Pottasche und wenn es zuviel ist, wars das. Das Gerät funktioniert nicht mehr richtig, verliert an Kapazität, nimmt allerdings im Gegensatz zum Motor keinen Schaden. Nun muss die alte Lauge raus.
Zuerst säubert man den Akku mit dest. Wasser und Pinsel.
Dann entfernt man die Stopfen und gießt sie aus. Man kann das Gerät dann auch noch mit dest. Wasser spülen, um die Pottaschekristalle, die sich unten angesammelt haben zu lösen.
Nun wird frische 20%ige Kalilauge eingefüllt, die Stopfen eingedreht und das Gerät mit dest. Wasser abgespült.
Jetzt noch die Kontakte fetten und die Muttern vorsichtig! nachziehen und die Wartung ist erledigt.
Wurde der Akku lange nicht benutzt, dann mit geringem Strom voll laden und mit in 5 Stunden entladen. Ggf. mehrmals wiederholen.

Völliger Unfug ist es, das Gerät, wie hier im Forum gezeigt, zu zerlegen. Das ist nur erforderlich, wenn z.B. ein Anschlussbolzen abgebrochen ist, das Gehäuse kaputt ist oder ähnliche gravierende Schäden (z.B. nach Unfall)vorliegen.

Wichtig: Keine Batteriesäure! , Kein Leitungswasser!
Keine geladenen Akkus ausgießen, vorher vollständig entladen.

Sollte aus welchem Grund auch immer Leitungswasser eingedrungen sein, darf das Gerät nicht weiterbetriben werden.
Sofort Wartung wie gehabt, jedoch sehr gründlich spülen.
Hier muss jedoch, wenn der Akku noch geladen ist, der Akku ausnahmsweise geladen ausgegossen und sofort mit dest. Wasser gefüllt werden. Das muss schnell (innerhalb 1/2 Stunde ) passieren, da sich die Platten an der Luft aufheizen können.

Ich bin kein Motorradspezialist, sondern habe hier geantwortet, weil mir 2 solcher Akkus mit einer Lieferung Gebrauchtakkus untergekommen sind und daher weiß, wovon die Rede ist. Einer ist original von GLZ und der andere Nachbau von GAZ. Die werde ich, wenn ich Zeit habe, mal ins Ebay einstellen.

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Re: Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

Beitrag von Tosch » 31. Januar 2017, 21:03

Hallo,

das ist sicher ein sehr ausführlicher und interessanter Bericht, den Du als neu angemeldeter Nicht-Motorradfahrer hier als ersten Beitrag zu einem fast 4 Jahre alten Thread verfasst hast. :top:
schwartztechnik hat geschrieben: Die werde ich, wenn ich Zeit habe, mal ins Ebay einstellen.
Könnte es sein, daß Deine Motivation hauptsächlich darin besteht, dafür hier ein wenig Werbung zu machen? :nono:

Grüße
Tosch
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Re: Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

Beitrag von schwartztechnik » 1. Februar 2017, 01:28

Werbung?
Wegen 2 Akkus, die irgendwann mal im Ebay auftauchen? Und für Solarakkus, mit denen ich zu tun habe, ist das hier wahrscheinlich nicht die richtige Plattform. Mir ging es darum, dass zuviel Blödsinn über dieese interessante, heute vergessene Technologie im Internet steht und mal einige realistische Beiträge dazukommen.

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Re: Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

Beitrag von Tosch » 1. Februar 2017, 21:27

Na, wenn das so ist ziehe ich meine Frage zurück und freue mich, daß es noch Leute gibt die sich die Zeit nehmen ihr Wissen zu teilen...

Grüße
Tosch
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Re: Reaktivierung NiCd - Akku 6V 8Ah??

Beitrag von Speedy24 » 1. Februar 2017, 22:33

Hallo schwartztechnik,

vielen Dank für deinen sehr informativen Beitrag!

Könntest du erläutern, um wieviel "schlechter" ein "neuer" GAZ Akku gegenüber einem "alten" GLZ ist? Schreitet da der Verschleiß eher mit den Ladezyklen oder eher durch mechanische Einwirkung (Vibrationen durch den Einzylinder nicht nicht zu vernachlässigen) vorran? Um wie viel eher würde ein GAZ gegenüber einem GLZ ausfallen?

Grüße und vielen Dank!
Alex
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