BMW Kardanabdichtung mal anders

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nafets
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BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von nafets » 19. März 2014, 15:02

Hallo liebe Forumsmitglieder,

wie an anderer Stelle geschrieben, hab ich die Fettfüllung im Hinterachsgetriebe auf Öl umgestellt, wie vom Hersteller vorgesehen. Seitdem saut es aus dem Dichtungsflansch zur Kardanwelle (nicht vom Hersteller vorgesehen).
Die bei mir fehlende Entlüftung hab ich entsprechend den Bildern im Forum nachgerüstet. Es saut weiter. Die Feder um den Simmerring am Welleneingang hab ich gekürzt und damit nachgespannt. Es saut weiter.
Also würde man jetzt normalerweise erstens die Kardanwelle auseinanderpressen, zweitens neue Flanschdichtung rein und drittens gut ist es.
Nachdem ich erstens nicht selbst kann und an drittens nicht so recht glaube, weil die Welle auch schon im Bereich der Dichtung etwas eingelaufen ist, und weil mir falls es dann nicht dicht ist auch die 15€ für die neue Dichtung zu schade sind, hab ich mal nachgedacht, woher das Problem kommen könnte und ob es nicht auch eine Lösung ohne Welle auseinanderpressen gibt?
.
Mir scheint das Problem, der undichten Flanschdichtung hat drei Ursachen:
1. Die Kardanwelle läuft nich unbedingt in gerader Verlängerung aus dem Hinterachsgetriebe, sonderrn hat je nach Toleranz einen kleinen Winkel dazu.
2. Die Verzahnung der Kardanwelle auf ihrem Anschluß hat mit zunehmendem Alter mehr oder weniger Spiel
3. Im Bereich der Flanschdichtung kommt von außen durch das Hinterrad immer Staub oder dreckiges Wasser auf die Dichtung

1. und 2. sowas mag ein Wellendichtring gar nicht, eigentlich sollen diese Ringe auch Wellen dichten, die sehr genau in ihrem Lager laufen
3. läßt die Welle einlaufen

Ergebnis: es saut

Meine Lösung wäre nun, den Wellendichtring (Simmerring) dahin zu versetzen, wo alle diese Probleme nicht bestehen. Also zwischen die Lager des Trieblings. Dort ist eine Abstandshülse und genügnend Platz und der Triebling läuft mit geringem Spiel, ohne Versatz und Dreck gibt es da auch nicht.
Dazu muß natürlich eine entsprechende Führung für den Simmerring rein. Ist aber nicht aufwendig. Das Stützlager, da es nun kein Öl mehr bekommt muß eben gekapselt und gefettet sein und auch die Verzahnung zur Kardanwelle sollte eine Fettfüllung bekommen. Die alte Flanschdichtung bleibt als Staubschutz. Hab es mal (nicht maßstäblich) skiziert, damit ihr seht was ich meine. Technisch zeichnen hab ich nie gelernt, also Nachsicht. Aber schreibt doch bitte, was ihr davon haltet. Ich werd es dann mal ausprobieren. Ein Simmerring und ein gekapseltes Lager kosten nicht viel. Den Rest kann ich drehen. Es wird nichts zerstört, bleibt alles rückbaubar. Die Welle braucht nicht auseinandergepresst zu werden, und man sieht es nicht.

Gruß
Stefan

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von schoenhuber » 19. März 2014, 20:22

Hallo Stefan,

das ist eine sehr gute Idee, genau den gleichen Gedanken hatte ich vor einigen Jahren auch schon einmal als mein Kardan saute. Habe dann erst einmal auf Fließfett umgerüstet, seit dem treten Undichtigkeiten nur noch sporadisch auf. Du kannst ja gleich zwei Stück drehen, ich nehme eine ab zum testen.

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von onkel » 19. März 2014, 20:23

Hallo Stefan,

Der Gedanke ist sehr gut, aber es wird doch etwas aufwändiger weil :

Im Gehäuse ist eine Einfräsung um das hintere Lager zu schmieren, diese muss verschlossen werden.
Die Distanzhülse zwischen dem Schrägkugellager und dem hinteren Lager ist sehr ungenau und läuft nicht rund, hier müsste eine geschliffene Hülse gefertigt werden mit Innendurchmesser 17H7
Die Aluglocke muss auch ausgedreht werden, da diese oft nur im Bereich des Lagersitzes vom hinteren Lager bearbeitet ist.

alles machbar und wenn man es selbst anfertigen kann auch kostengünstig.
Gruss Onkel,
aus dem wilden, sonnigen Süden

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von nafets » 19. März 2014, 23:20

Hallo Schönhuber,
wenn es so weit ist, daß die Konstruktion stimmig ist, dann dreh ich erst mal eine davon und schau ob es funktioniert. Und dann schaun wir mal. Ein bisserl was geht immer.

Onkel,
Danke für die Hinweise.
Damit nichts über den gefrästen Kanal (rechts im Bild) reinkommen kann gibt es jetzt einen zusätzlichen O-Ring (grün).
Damit der Simmerring nicht über das ungenaue hintere Ende der Hülse geführt wird gibt es jetzt nur noch ein Drehteil, und das wird über das innen sauber bearbeitete große Gehäuse positioniert, das auch die goßen Lager aufnimmt. Damit sitzt der Simmerring dann auch exakt zur Welle. (Die Hülse könnt ich so nicht ausdrehen, weil da hängt ja immer noch die Kardanwelle drin)
Bleibt noch das Thema mit der ungenauen Abstandshülse zu lösen. Gibt es Kolbenbolzen mit 24mm außen. Und dann innen passend ausdrehen?
Reicht für das Drehteil auch Alu? oder muß es Stahl sein? ...oder Messing weil es schöner aussieht :)


Wer findet sonst noch Fehler in der "Konstruktion" ?

Gruß
Stefan



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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von schoenhuber » 20. März 2014, 20:03

Die Abstandshülse sollte schon aus einem ordentlichen Stahl sein, Aluminium oder Messing wäre viel zu weich für den Simmerring, außerdem werden durch die Abstandshülse die Innenringe der Kugellager gehalten.

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von onkel » 20. März 2014, 21:20

z.B. ein Innenring von einem Zylinderrollenlager oder einem Nadellager
Die Aluglocke muss auf jeden Fall auf das Schrägkugellager drücken sonst gibt es Zahnausfall ...
Gruss Onkel,
aus dem wilden, sonnigen Süden

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von nafets » 20. März 2014, 21:51

Danke für die Rückmeldung.
Daß die Abstandshülse aus Stahl sein muß, das ist klar, am besten eben ein Teil, das schon eine geschliffene Oberfläche hat, also sowas wie vom Onkel vorgeschlagen, ein Innenring von einem Zylinderrollenlager. Aus Alu wollt ich eher das rot gezeichnete Teil, das den Simmerring aufnimmt machen. Das muß einfach nur passen und den Simmerring schön zentrisch halten.

also geh ich jetzt mal das Material zusammensuchen

Gruß
Stefan

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von nafets » 20. März 2014, 22:10

Was tu ich mir eigentlich die ganze Arbeit an? Gute Teile zu Spitzenpreisen tauchen doch immer wieder auf :rollo:

http://www.ebay.de/itm/BMW-Kardanwelle- ... 5662dfe5a5

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von nafets » 30. März 2014, 22:29

Hallo liebe Forumsmitglieder,

Material hab ich zusammen, die Teile sind fertig und zusammengebaut. Auf die neu gedrehte Abstandshülse hab ich den Aussenring eines Kugellagers Type 609 (außen 24mm) aufgepresst. Die Aufnahme für den Wellendichtring (24-35-7) ist ebenfalls aus Stahl. Um die 2mm auszugleichen, die die Aufnahme für den Wellendichtring benötigt, hab ich zusätzlich zum Kork aus Alu eine 2mm-Dichtung zwischen Mitnehmerflansch und Gehäuse Gelenkwelle eingebaut.
Alles weitere auf den Bildern...


hier die Übersicht der Teile:
neu: Stützlager gekapselt, Aufnahme Wellendichtring, Wellendichtring, O-Ring, Abstandshülse mit geschliffenem Ring, Aludichtung

1 Abdichtung Gelenkwelle Übersicht
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2 Abstandshülse zum Ritzel mit geschliffenem Ring
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3 Aufnahme Wellendichtring
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4 Aufnahme Wellendichtring mit O-Ring
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5 Aufnahme Wellendichtring mit WeDi
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6 Aufnahme Wellendichtring und Abstandshülse Ritzel
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7 Treibling im Gehäuse Gelenkwelle
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8 Treibling mit Abstandshülse zum Ritzel
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9 Treibling mit Abstandshülse und Aufnahme WeDi
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10 Treibling mit gekapseltem Stützlager
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11 Treibling mit Ritzel
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12 Treibling komplett
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13 Mitnehmer zum Ritzel mit Fettfüllung
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14 Gehäuse Gelenkwelle komplett (sichtbarer Unterschied die 2mm Aludichtung)
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15 ...der nicht mehr benötigte Rest
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Amerkungen:
Da nun das Öl über den Wellendichtring abgesperrt ist läuft alles außerhalb "trocken" ... hoffentlich... :top:
Deshalb auch der grüne O-Ring, der den Weg zum Mitnehmerflansch abdichten muß.
Damit das Öl nun nicht außen am Mitnehmerflansch nach vorne kann und über die Bohrung in diesem zum Stützlager gelangt hab ich auch ich diese Bohrung verschlossen. Kann man auf dem ersten Bild erkennen.
Die nicht mehr ölversorgte Verbindung Ritzel zu Mitnehmer Ritzel hab ich mit wunderschönem blauem Fett gefüllt.
Das Stützlager ist jetzt gekapselt.
Die alte Flanchdichtung blieb drin.

Hoffe jetzt, daß das ganze so funktioniert. Werde natürlich berichten.
... und wie immmer... es hat länger gedauert und es war mehr Arbeit als gedacht.

...aber der Vorteil, wenn es funktioniert, ist, daß der Wellendichtring getauscht werden kann, ohne die Welle auseinander zu pressen. :hüpf2:

Gruß
Stefan

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von BauerJonny » 24. April 2014, 11:25

Hallo zusammen,

ihr schreibt hier von Fettfüllung bzw. Fließfett im Hinterradantrieb.

Meint ihr damit die Ölfüllung im Kardan?

Saut bei mir eben auch so rum.

Gruß Stan

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von nafets » 24. April 2014, 21:36

Hallo Stan,

ja klar geht es um die Ölfüllung im Gehäuse der Gelenkwelle, also da wo Tellerrad und Ritzel drin laufen. Ich schreib bewußt nicht Kardan, weil eine Kardanwelle mit entsprechendem Kardangelenk, hatte die ungefederte R35 noch nicht.
Und dieses Gehäuse wurde häufig nicht, wie vorgesehen, mit dem richtigen Öl, sondern, sobald die Dichtmanschette an der Verschlußglocke zur Undichtmanschette wurde, mit Fließfett befüllt.

Gruß
Stefan

PS: Ich kann mir übrigens gut vorstellen, daß die ursprünglichen Ledermanschetten hier weniger sensibel gegenüber etwaigen Lagetoleranzen der Gelenkwelle waren, als die jetzigen Lösungen mit der doch recht steifen Gummimanschette.

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von onkel » 25. April 2014, 06:39

nafets hat geschrieben:Hallo Stan,

ja klar geht es um die Ölfüllung im Gehäuse der Gelenkwelle, also da wo Tellerrad und Ritzel drin laufen. Ich schreib bewußt nicht Kardan, weil eine Kardanwelle mit entsprechendem Kardangelenk, hatte die ungefederte R35 noch nicht.

Eine Kardanwelle muss nicht zwingend ein Kreuzgelenk haben, auch eine Hardyscheibe ist eine Wellenverbindung die Winkelversatz zulässt.
Schon bei der R4 wurde vom Kardan und Kardanwelle geschrieben
Gruss Onkel,
aus dem wilden, sonnigen Süden

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von trybear » 25. April 2014, 12:42

Hallo Stefan,

Deine Umbauarbeit gefällt mir sehr gut.

Meine Frage: würdest Du die Umbauteile / Teileänderungen anbieten? Ich würde mich stark dafür interessieren.

Gruß aus HH
nüchtern betrachtet war besoffen besser..... ;-)

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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von nafets » 25. April 2014, 15:41

Hallo Onkel,

da hast Du recht. BMW schreibt in einem R4 Prospekt tatsächlich von der Kardanwelle:

Zitat: Kraftübertragung von Getriebe auf Hinterrad erfolgt über einen besonders elastischen Spezial-Stoßdämpfer durch Kardanwelle und zwei spiralverzahnte Kegelräder.
Die Frage ist nur ob der Verfasser recht hat, oder es im Zuge der Produktbeschreibung einfach besser klang.
Meiner Meinung nach zeichnet sich eine Kardanwelle dadurch aus, daß sie mindestens ein Kreuzgelenk besitzt, nach dem Prinzip von Gerolamo Cardano, der zur Lagerung von Schiffskompassen eine (kardanische) Aufhängung aus zwei zueinander im rechten Winkeln stehenden Drehlagern erfunden hat.

...aber Hauptsache es funktioniert.



Hallo Trybear,

hab eigentlich nicht vor, die Teile in Serie zu fertigen, weil da bin ich an der Drehbank zu langsam und oft paßt auch was nicht gleich und muß dann wieder nachgearbeitet werden, und dann gibts nur Probleme.

Bin seit dem Einbau erst gut 50 km gefahren und da kann ich noch nicht sagen, ob die Lösung dauerhaft tauglich ist.
Aber zum Nachbauen hier die Skizze der Aufnahme des Simmerrings

Gruß
Stefan
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Re: BMW Kardanabdichtung mal anders

Beitrag von BauerJonny » 27. April 2014, 20:26

Hallo Stefan,

ich hab ne R35/3, also Kardanantrieb. Ob nun Kardan oder nicht, wieviel Fließfett muss in den Hinterradantrieb eingefüllt werden?

Gruß Stan

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