Tachoelektrifizierung

Spiegel, Bowdenzüge
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Tosch
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Tachoelektrifizierung

Beitrag von Tosch » 16. Januar 2008, 22:42

Hallo,

Mein Tacho hat mich letztes Jahr extrem genervt: obwohl ich ihn geschätzte 27 mal zerlegt und daran herumgepfriemelt habe, hat er nie vernünftig funktioniert. Zeiger immer wacklig und "nachgehend" ... Und weil die Winterabende so lang und kalt sind, habe ich mal den Lötkolben angeheizt und was schönes gebastelt:

:arrow: den Elektro-Tacho.

Das Prinzip: eine Platine, die genau in das Tachogehäuse passt, nimmt eine kleine Schaltung auf, die
- die Drehzahl des Magnetrades misst (berührungslos per Hall-Sensor)
- daraus die aktuelle Geschwindigkeit berechnet
- und diese mit einem modernen Schrittmotor-Zeiger-Antrieb (wie er genau so in aktuellen Auto-Kombiinstrumenten verwendet wird) anzeigt.

Alles zusammen ist so angeordnet, daß am Tacho selbst keinerlei mechanische Änderungen vorgenommen werden müssen (außer einem Loch für die Kabel). Es muss lediglich die Glocke mit ihrem oberen Lager ausgebaut und stattdessen die Platine eingesetzt werden (-> problemlos rückbaubar).

Hier der Protoyp:

Bild


Das Flachbandkabel oben dient zum Flashen des Controllers und entfällt später. Das schwarze Teil in der Mitte ist der Schrittmotor, auf der Welle sitzt dann der Zeiger. Der Hallsensor ist links unten am Magnetrad erkennbar.

Ich habe auf jegliche elektronische Mätzchen verzichtet, es gibt keine Schalterchen oder LEDs oder sowas. Gesteuert wird die Schaltung nur von der Zündung. Nach außen hin also kein Unterschied zum mechanischen Tacho.

Das Modul hat folgende Eigenschaften:

- wenn die Zündung an ist, wird ganz normal die aktuelle Geschwindigkeit angezeigt (und zwar absolut stabil und verlässlich genau!)

- nach dem Ausschalten der Zündung fährt der Zeiger nochmal hoch und zeigt für 2 sec die Maximalgeschwindigkeit des letzten Fahrzyklusses an. Das könnte für alle Arten von Einstellfahrten (Zündung, Vergaser usw) a la Hertweck nützlich sein (vielleicht ist das aber auch Schnickschnack .... ).

- die Stromaufnahme liegt bei ca. 80 mA, das ist ca. ein halbes Watt und damit vernachlässigbar.

- 20 sec. nach Ausschalten der Zündung geht die Elektronik schlafen, mit wenigen Microampere Ruhestrom. Damit kann das Modul problemlos an Dauerplus angeschlossen bleiben, auch über längere Standzeiten. Wakeup per Zündung.

- die Schaltung funktioniert bis herunter auf ca. 4,5V, durch Schottky-Verpolschutzdiode und Low-Drop-Regler.

- es gibt einen "Lernmodus", bei dem zwei Sachen angelernt werden können:

1) die Anzeigeauflösung: damit kann der Endwert des Zifferblattes zwischen 60 und 180 kmh frei gewählt werden. Ersteres ist vielleicht für Trike-Besitzer interessant, letzteres für Tuner ;-). Man könnte sich damit also eine Tachoscheibe selber malen und ausdrucken und hätte einen Anzeigebereich, der optimal für sein Moped ausgelegt ist.

2) die Messauflösung: damit kann das mechanische Übersetzungsverhältnis genau ausgemessen und für den Tachobetrieb übernommen werden. Auch wieder interessant für Trikes, die noch eine Untersetzung an der Hinterachse haben, oder für Beiwagen-Kardan-Fahrer ohne passende Tachoschnecke.
Dieser Lernmodus ist ohne weitere Hilfsmittel und ohne Werkzeug jederzeit ausführbar, man kann also auch nach Reifenwechsel o.ä. die Anzeige wieder sofort nachjustieren.


Was haltet ihr von der Sache? Könnte es für sowas einen gewissen Bedarf geben?

Gruß
Tosch

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Gobi
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Beitrag von Gobi » 16. Januar 2008, 23:35

Unglaublich!!
Ich bestell schon mal einen!
Wenn du tot bist, dann bist du lange Zeit tot.
Burt Munro

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Beitrag von EMW1954 » 17. Januar 2008, 00:04

:shock: :shock: :shock: :shock: :shock: :shock:

Vor so viel Erfindergeist kann man nur den Hut ziehen....

Also absolut interessant....gibte eine Art Bauanleitung....wenn das überhaupt für den Ottonormal Mechatroniker machbar ist ?!?!

Oder wenn wie groß ist der ungefähre Kostenaufwand???

Auf alle Fälle absoluten Respekt!!!!! :top: :top: :top:
"Verloren ist nur, wer sich selbst aufgibt "

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Paul R 35
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Beitrag von Paul R 35 » 17. Januar 2008, 01:35

Ich schließe mich diesn Fragen an.

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Beitrag von emw-ute » 17. Januar 2008, 06:35

Genial!
Ich gehe aber wirklich davon aus, dass die meisten Forumsmitglieder hier dies nicht in der Qualität nachbauen können.

Also: berechne schonmal den Aufwand / Kosten für eine Forumsmitgliederfertigung ;-)

k.

p.s.: der Winter soll ja noch sehr lang und kalt werden :P
2 Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir allerdings noch nicht sicher (Einstein).

Es gruessen emw-ute & klaus & die 55er emw.

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Beitrag von HH-EM19 Rudi » 17. Januar 2008, 07:33

:D RESPEKT
Ich bin begeistert. Ich habe mich vor vielen Monaten auch mit der Tachoproblematik rumgeärgert und entnertvt aufgegeben, den mechanischen Originalzustand zu sanieren. Von daher auch von mir ein ausdrückliches DAUMEN HOCH und HABEN WOLLEN. Kostenpunkt wäre sicher ein Entscheidungskriterium, wobei ich den Einbau der Schaltung gern selbst machen würde. Wie funktioniert das denn mit dem Lernmodus des Controllers? Den müsstest du doch dann nach den Vorgaben des jeweiligen Bestellers programmieren, (ob Trike oder Beiwagenübersetzung usw.) oder irre ich?
:top: FAZIT: Das ist (meiner Meinung nach) die Innovation des Jahres. Wenn sich der Praxisbetrieb bewährt, dann ist das echt eine OSCAR-reife Leistung.
Lass schnell mehr wissen und vor allem: Lass dir das Ding patentieren, bevor solche Spezis, wie die "Inhaber" des EMW-Logos (oder andere übliche Verdächtige :mecker: ), auf die Idee kommen und dir die Suppe versalzen :nein:

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Beitrag von Andrebiker » 17. Januar 2008, 08:00

Was passiert mit dem mechanischen Kilometerzähler, Thomas? Arbeitet der normal weiter oder ist der gar nicht mehr da oder ruht er sich aus?
Und wie sieht´s mit der Haltbarkeit aus, Vibrationen etc.?
Warum brauche ich einen Dauerstromanschluß? Welche Auswirkungen hat es da, wenn die Batterie mal abgeklemmt wird?
Ansonsten - tolle Sache; wenn das funktioniert, werden die Tachodienste graue Haare kriegen :mrgreen: .
Unsere Motorräder laufen nun schon 60 Jahre, trotz so angeblich untragbarer Dinge wie Kontaktzündung und mechanischer Regler. Oder vielleicht gerade deshalb?

PS: Ich danke allen, die zur Sache nichts zu sagen hatten und trotzdem geschwiegen haben.

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Beitrag von krs » 17. Januar 2008, 09:05

Hallo,
das mit dem Kilometerzähler interessiert mich auch. Letztens hatte ein Bekannter von mir Ärger beim TÜV, weil sich der Zähler seit der letzten Prüfung nicht einen Kilometer weiterbewegt hatte. Warum die das interessiert, verstehe ich übrigens nicht. Aber trotzdem eine geile Idee!
Gruß KRS

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Beitrag von bergth » 17. Januar 2008, 09:16

schließe mich den vorrednern an

haltbarkeit und preis stehen für mich im vordergrund
und vor allem:

dann sind endlich die zeiten rum an denen an wirklich schönen
oldimoppeds so ein hässlicher digitaltocho hängt :shock:

vg thomas
...unterwegs im Namen des Herrn!

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Beitrag von derMatze » 17. Januar 2008, 10:57

Habe auch Interesse am fertigen Produkt.
Wir irren allesamt, nur jeder irrt anders.

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Beitrag von EMW-Junkie » 17. Januar 2008, 12:20

Wahnsinn! :shock:
BildOldis fahren und daran schrauben macht süchtig!Bild

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Beitrag von Paul R 35 » 17. Januar 2008, 12:49

Andrebiker hat geschrieben:Was passiert mit dem mechanischen Kilometerzähler, Thomas? Arbeitet der normal weiter oder ist der gar nicht mehr da oder ruht er sich aus?
Wie ich es aus dr Beschreibung verstehe, bleibt der Kilometezähler unberührt. Es wird ja nur die Aluglocke mit dem oberen Lager und Feder ausgebaut. Der Kilometerzähler wird ja von der Schnecke unterhalb des Magneten angetrieben, und der Magnet bleibt ja an seiner Stelle.

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Beitrag von hans_stramm » 17. Januar 2008, 15:37

bin beeindruckt!! :shock:
Was für einen Kontroller nimmst du? Und was für einen
Servo?

mit strammem Gruß

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Tosch
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Beitrag von Tosch » 17. Januar 2008, 19:41

Ui, mit so viel Begeisterung hatte ich nicht gerechnet :mrgreen:

zu den Fragen:
- wie Paul schon sagt, der Kilometerzähler wird nicht beeinflusst, der muss also weiterhin mechanisch funktionieren. Natürlich wirkt auch hier eine eventuell veränderte Meß-Auflösung nicht, d.h. der Kilometerzähler geht bei einer "falschen" Übersetzung weiterhin falsch
- ich habe die Schaltung nicht nur an Zündungsplus gelegt, weil es dadurch einige Nachteile gibt: bei Prellen oder kurzen Unterbrechungen (Einmachglasgummi-Effekt ;-)) gäbe es evtl. einen Reset, Ausschalten der Zündung beim Noch-Rollen würde den Zeiger falsch stehen lassen, der "Maxwert-" und Messmode wäre nicht mgl. usw. Außerdem ist die Klemme-15-Variante schaltungstechnisch nur geringfügig aufwendiger. Und der Ruhestrom ist wirklich sehr gering, da alles abgeschaltet wird, inkl. Regler. Da habe ich keine Sorgen.
- die "gelernten" Werte werden im EEPROM abgespeichert und bleiben auch beim Abklemmen erhalten
- Bauteile: ist ein Atmel-Controller. Sind wirklich klasse, die Dinger. Winzig klein, Flash, mit EEPROM, mit Oszillator und jeder Pin kann 20mA sourcen und sinken. (den internen Oszillator habe ich habe wegen Genauigkeit aber nicht benutzt, sondern einen externen Quarz). Der Motor ist ein Schrittmotor mit einem Untersetzungsgetriebe. Ist genau für diesen Zweck (direkten Zeigerantrieb) gemacht. Es ist also kein Servo (es gibt keine Positionsrückmeldung), sondern er wird durch eine bestimmte Anzahl Pulse auf einen bestimmten Drehwinkel bewegt.
- Vibrationen: das ist wirklich ein offener Punkt. Ich kann es nicht genau sagen. Die kritischen Bauteile (Sensor und Elko) wollte ich auf jeden Fall mit Heißkleber oder Lack sichern. Wie robust der Stepper ist, weiß ich nicht. Das Teil ist aber ausdrücklich für Automotive-Anwendungen entworfen, wo solche Dinge auf jeden Fall immer getestet werden. Nur ist eine EMW-Lampe aber wahrscheinlich etwas mehr belastet als z.B. ein Tacho in einem Passat... :? Ich bin mit dem Prototyp bis jetzt so ca. 50km gefahren, das hatter problemlos ausgehalten. Während der Fahrt wird der Motor übrigends ständig bestromt und damit "festgehalten". Wenn er spannungslos ist, kann man den Zeiger mit dem Finger ganz leicht drehen.


- und zum Schluss das interessanteste, der Preis: die teuersten Teile sind die Platinen und der Stepper. Erst wenn man eine gewisse Anzahl Platinen abnimmt, wird das einigermassen interessant. Ich schätze mal grob, wenn ich 20 Stück aufsetze, müsste ich für die Non-Profit-Forums-Mitglieder-Version so um die 35 Euronen nehmen, vielleicht etwas weniger. In Einzelteilen zum Selberlöten wird nichts, da ich den Controller nur in der Schaltung flashen kann.


Also, wer Interesse hat, schicke mir eine PM. Ich mache dann eine Nullserie, die dürft ihr dann ausgiebig testen ;-)

Gruß
Tosch

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Beitrag von Tosch » 17. Januar 2008, 22:45

Äh, um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: es geht um die bestückte Platine, die in euren eigenen, vorhandenen Tacho eingebaut werden kann:

Bild


Das Tachogehäuse, das Ziffernblatt, der Zeiger usw. is da nich mit bei ! Das muss an eurem Gerät noch vorhanden und verwendbar sein.

Der Einbau ist simpel und kann von jedem selber gemacht werden.

Wen es interessiert: links Spannungsregler mit Elko, Verpolschutzdiode, oben Quarz, Mitte Schrittmotor, oben rechts der Controller, vorne rechts der Sensor.

Ich fasse nochmal das Layout an, da hatte ich zwei kleine Fehler drin, und nehme dann mal ein paar Teile in Angriff. Kann aber etwas dauern ...

Gruß
Tosch

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