Zink Pest °

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Gobi
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Zink Pest °

Beitrag von Gobi » 20. Dezember 2002, 20:09

Ich habe mich in ein Chemie Forum eingeloggt und folgendes gefragt:
gobi

Hallo Leute, ich betreibe ein Forum für Oldtimer Motorräder.
Bei den alten Kisten gibt es ein besonderes Problem mit alten Zink- Guß- Teilen, die fangen teilweise nach einigen Jahrzehnten an zu zerbröseln. Was natürlich schrecklich ist und die entsprechenden Teile extrem teuer macht.
Meine Frage: woran liegt das und kann man evt. vorbeugend was dagegen tun?
Bzw. wie kann man Teile am besten lagern die nicht in Betrieb sind, eher kallt, warm feucht trocken Öl, usw. ????
Ich wäre für jeden Tip dankbar.
Gobi

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Human

Naja ich denke es wäre gut wenn du es mit einem Durchsichtigen Lack überziehst damit das Zink nicht an der Luft allzu sehr Oxidiert und zerbröselt.
Erkundige dich einfach nach dünnen wetterbeständigen durchsichtigen Lacken...


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Versuchschemie.de
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Bei der beschriebenen "Zink-Pest" handelt es sich um Korrosion. Da die Zinkteile aus Guss und die schon etwas älter sind, kann man davon ausgehen, dass es sich auf jeden fall um technisches Zink handelt, welches immer geringe Kupferanteile vorweist. Dieses mit Kupfer verunreinigte Zink bildet ein kurzgeschlossenes galvanisches Element, wenn z.B. Wasser dazukommt. In einer Redoxreaktion wird das unedlere Zink oxidert und geht in Lösung über bzw. es bildet sich eine Schicht über dem Zink. Infolge des Abbaus des Zinks wird das Zinkteil irgendwann brüchig: es korrodiert.

Um das Zink-Teil vor der Korrosion zu schützen bzw. die Korrsion zu verlangsamen, sollten die Teile in kalter und sehr trockner Luft gelagert werden. Es sollte nicht in Kontakt mit Wasser (Luftfeuchtigkeit) und am besten nicht mit Sauerstoff in Berührung kommen. Daher wäre eine Lagerung der Teile in Öl sinnvoll, weil sie dadurch keinen Kontakt zu Wasser und auch im Prizip zum Sauerstoff haben. Man könnte die Teile auch mit Öl bestreichen.

Im Prizip ist der Zerfall deiner Zinkteile fast identisch mit dem Rosten von Eisen.
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http://www.versuchschemie.de/
Zuletzt geändert von Gobi am 11. September 2008, 23:51, insgesamt 2-mal geändert.
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Vergaser Zinkdruckguß

Beitrag von Mike22 » 12. Februar 2003, 20:17

Hallo !
Wie kann ich feststellen ob meine Vergaser aus Zinkdruckguß bestehen? Siehe hierzu den Artikel aus ebay. Gibt es verschiedene Baureihen?


Zitat eBay:
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Beschreibung

Registervergaser für eine EMW/BMW R35 im sehr guten Zustand (keine Risse, Schieber Top).

Es handelt sich hierbei um ein Vergaser der letzen Serie, der nicht aus Zinkdruckguß ist und somit nicht im laufe der Jahre Risse bekommt und sich auflößt.

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Beitrag von Daniel Dorn » 12. Februar 2003, 20:27

Ja das ist so nicht leicht zusagen.
Meistens tritt bei längerer nicht Benutzung in der Schwimmerkammer eine gewisse weisse Oxydschicht auf, dann ist der Vergaser aus Zinkdruckguß (so nach 2 Monaten und der entsprechenden Luftfeuchtigkeit). Soviel wie ich weiß sind alle Vergaser ab BJ (mitte)53 nicht mehr aus Zinkdruckguß. Das ist das einzig was ich dazu weiß.
Meiner ist noch aus Zinkdruckguß, deswegen braucht der besonders viel Liebe.
Ich hoffe ich konnte dir helfen.

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Beitrag von Gobi » 12. Februar 2003, 20:33

Ich kann das nur mit meinem Sum Vergaser vergleichen, der meines Wissens aus Aluminium ist, der sieht eher silberiger aus. Aber beschwören will ich da gar nichts.
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Beitrag von Gobi » 1. März 2003, 01:31

Mir ist heute eine neue Idee zu dem Thema gekommen, bzw zum Thema Korrosionsschutz allgemein, die Opferanode.
Zur Erklärung ein Text aus dem Netz:

Kathodischer Korrosionsschutz

Der kathodische Korrosionsschutz ist ein aktiver Korrosionsschutz.

Auf diese Art und Weise schützt man unterirdische Rohre oder Tanks, sowie Erdölbohrplattformen und Schiffsrümpfe im Meerwasser.

Das gefährdete Metall wird elektrisch leitend mit einem unedleren Metall verbunden, z.B. Eisen mit Aluminium, Magnesium oder Zink. Die für die Reduktion benötigten Elektronen werden jetzt bei der Oxidation des unedleren Metalls frei, sodass das gefährdete Metall unverändert bleibt. Irgendwann ist die Anode jedoch verbraucht (nur noch Metall-Ionen und Elektronen), weshalb man sie Opferanode nennt. Die Opferanode muss dann natürlich ersetzt werden, da sonst das gefährdete Metall oxidiert. Bei Schiffsrümpfen werden Zinkplatten direkt an die Eisenteile angebracht.
das bedutet unterm Strich, es sollte schon helfen, wenn man irgentwo am Motorrad ein Stück Magnesium (weil unedler als Zink) anschraubt, ich mach mich mal noch ein bisschen schlauer.
Das ganze hat allerdings auch eine unerfreuliche Erkenntnis gebracht, nach zu lesen unter:

Verzinnen
Zuletzt geändert von Gobi am 22. Mai 2004, 12:28, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag von lorchen » 1. März 2003, 18:36

Das könnte so klappen, Gobi. Meine letzte Chemie-Vorlesung war 1995. Frage nur, wo bekommt man Magnesium her? Das ist, soweit ich weiß, in den Silvester-Wunderkerzen enthalten, aber wie anwenden?

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Beitrag von Gobi » 1. März 2003, 20:40

Das Magnesium muss nur elektrisch leitend mit dem zu schützenden Teil verbunden sein und mit diesem zusammen feucht sein, denn normalerweise benutzt man diese Technik unter Wasser.
Es gibt allerdings auch noch eine Alternative, die ich noch nicht ganz verstanden habe, wo das ganze mit einem permanenten Schwachstrom funktioniert, dabei braucht sich die Anode nicht auf!
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Beitrag von gravi » 12. September 2008, 16:46

Wer noch Teile aus dem alten Zinkdruckguss hat (das wurde bis in die späten 50er Jahre verwendet) hat ein echtes Problem:

Der Zinkfraß (wie es richtig heißt, Zinkpest ist eigentlich falsch) ist leider durch nichts aufzuhalten. Die damaligen Zinklegierungen waren wegen Materialknappheit (Kriegs/Nachkriegsjahre!) ziemlich unrein, d.h. mit manchen anderen Metallen gepanscht.

Wie hier schon richtig beschrieben, bilden sich im Kristallgefüge der Legierung kleinste galvanische Elemente, es fließen kleine Ströme die dann letztendlich zum völligen Zerbröseln führen.

Da hilft nur eines: Möglichst schnell ersetzen durch ein nachgearbeitetes Teil, z.B. aus Aluminium.

Man könnte den Zerfall vielleicht noch ein wenig hinaus zögern, wenn man das Teil sorgfältig reinigt, es eine ganze Weile z.B. im Backofen trocknet (deutlich über 100°C!), um das in den feinsten Poren vorhandene Wasser auszutreiben.

Anschließend könnte man es (möglichst bald) mit einem guten Klarlack gegen die Außenatmosphäre isolieren. Im Falle eines Vergasers muss der Lack natürlich benzinbeständig sein, z.B. ein Teflonlack - aber letzteren gibt's meines Wissens kaum als Klarlack.

Mit einer Magnesiumanode oder Fremdstrom ist meines Wissens hier nicht allzuviel zu machen.

Gruß
gravi

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Beitrag von Gobi » 12. September 2008, 18:38

Bitter, bitter.....
Kannst du denn wenigstens bestätigen, das ein Vergaser, der bis heute nicht zerbröselt ist, es auch in Zukunft nicht tun sollte?
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Beitrag von Schmoll-Troll » 13. September 2008, 08:16

Also die Idee mit dem Magnesium wird ein bißchen zu gut funktionieren, da sich das (reine) Mg ziemlich zügig an der Luft opfert. Außerdem oxidiert es gerne auch unter greller Licht- und Rauchentwicklung...
Deshalb wird es in elementarer Form auch in Paraffin gelagert, damit es bei Zimmertemperatur nicht sofort verbrennt. Der Sauerstoff in der Luft reicht für diese Reaktion schon gänzlich aus... :twisted:
Mir ist leider auch schon eine Schwimmerkammer aus Zink wie Mürbeteig zwischen den Fingern zerbröselt.
Glücklicherweise ist der momentan verbaute aus Al :lol:
Seit der Entdeckung der Langsamkeit schiebe ich meine EMW nur noch!

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Beitrag von emw-ute » 13. September 2008, 10:41

Gobi hat geschrieben:Bitter, bitter.....
Kannst du denn wenigstens bestätigen, das ein Vergaser, der bis heute nicht zerbröselt ist, es auch in Zukunft nicht tun sollte?
Auch wenn die Frage nicht an mich ging: nein. :(

Wir hatten das Thema ja schon häufiger diskutiert, und ich lasse hier noch einmal meine Erfahrungen aus einem anderen Gebiet einfließen:

Dieses Zinkzeugs wurde Anfang der 30er liebend gerne auch bei mechanischen Bauteilen in Radios verwendet, mit den gleichen Folgen.
Unterschied zum Vergaser natürlich dergestalt, dass die Bedingungen im Radio ungleich besser sind, da kein Benzin und deutlich weniger Außenfeuchtigkeit.
Dennoch ist beim Restaurieren dieser Geräte zu beobachten, dass manche Geräte unzerbröselte Teile bergen, die trotzdem irgendwann ihre ersten feinen Risse aufweisen.

Daneben wissen wir, dass selbst robuste Eisenteile irgendwann durch die Motorvibrationen abreißen, d.h. auch dieses Material wird, aus völlig anderem Grund, irgendwann mürbe. Das Thema der Ermüdungsbrüche ist ja auch aus dem Flugzeugbau bekannt, wo durchaus "feinere" Materialien Verwendung finden.
Warum soll also einem Vergaser nicht gleiches, nämlich Zerbrechen, widerfahren.
Dabei ist es unerheblich, ob dies auf Konto der Zinkpest oder andauernder Vibrationen geht, das Ergebnis ist ähnlich.



Lösungsansätze:

- der Nachguss von Vergasergehäusen wurde hier im Forum mal hoffnungsfroh begonnen und diskutiert; es ist allerdings sehr still darüber geworden.

- Alternativvergaser: auch darüber wurde diskutiert, aber das Thema schlief dann irgendwann (mangels Beteiligung, mangels Interesse, mangels Forscherdrang??) ein.

Letzteres erschiene mir momentan als der beste Weg, zumal es ja mit Gobi's BING zumindest einen Lösungsansatz gibt:
Da auch schon eine NEANDER OPEL erfolgreich mit einem englischen 350er Motor ausgerüstet wurde, und das Platzproblem hinsichtlich des Vergasers dort ebenfalls auftrat, wurde dort erfolgreich ebenfalls ein BING mit querliegendem Schieber verbaut (Artikel in der OM oder OP, nicht selbst gesehen).


Da wir ja auch immer neue Mitglieder verzeichnen: vielleicht weiß ja irgendeiner hierzu mehr???

Natürlich kann der eine oder andere das Problem auch mit Blick auf eigene Ersatzteilvorräte aussitzen. Hilft dann allerdings nicht jedem :(

k.
2 Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir allerdings noch nicht sicher (Einstein).

Es gruessen emw-ute & klaus & die 55er emw.

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Re: Zink Pest °

Beitrag von vicente » 25. Dezember 2011, 07:27

Habe ja inzwischen selbst einige Teile durch das Zinkproblem verloren. Inzwischen habe ich alte Ersatzoriginalteile besorgt.

Ich denke für die Ewigkeit hält nichts und das Horten von Ersatzteilen damit eine eventuelle Enkelgeneration, die wahrscheinlich keine Lust auf die "alte Scheiße" hat, bringt nichts. Tja uns das letzte Hemd hat keine Taschen liebe Forumsmitglieder!

Deshalb ist mein Lösungsansatz: Es gibt schön dickes Fett im KFZ-Bereich. Das mache ich auf einen Lappen und reibe damit die Teile dünn ein. Das wiederhole ich einmal im Jahr. Mache ich übrigens auch mit den Roststellen an der Maschine.

Ich denke das wird die Teile nicht die nächsten 1000 Jahre schützen, aber wenn es 100 Jahre hält, soll mir das reichen :mrgreen:

Klar, eine abschließende Lösung fände ich auch toll, aber bis dahin halt so.

Frohes Fest noch!

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Re: Zink Pest °

Beitrag von Killerniete » 25. Dezember 2011, 10:41

Tja das Thema Zinkpest wird auch die nächste Generation Oldtimer erwischen.
Vor kurzem hatte ich S 51 Vergaser und nen ETZ Vergaser zum Reinigen in´s Ultraschallbad getan. Der Dreck und die Ablagerungen sind zwar weg nur treibt jetzt warsch die Pest. Die Kanäle im S 51 Vergaser sind jetzt z.T. richtig zu - jedenfalls läuft das Mopped nicht. (Im Vergleich mit einem anderen Vergaser)
Und beim ETZ Vergaser klemmt jetzt der Schieber und der Flansch.
Wasser in jeder Art scheint jedenfalls den Prozess zu beschleunigen.
:mecker: :mecker: :mecker: :mecker:
Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten.

Grüße aus dem Reservat
"Muskauer Heide"

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Re: Zink Pest °

Beitrag von oldiMike » 25. Dezember 2011, 18:15

das hängt am Ultraschallbad
http://www.ultraschallreiniger.info/
Tacho und vergaser teile gehören nicht ins Ultraschallbad. Es gibt geräte die zu Kraftvoll sind und mehr schaden verursachen.
auf der suche nach Original Kolben für Die EMW Ø > 72mm auch gebraucht.

Motorräder werden"Angetreten"und nicht gedrückt!

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Re: Zink Pest °

Beitrag von Stefan1957 » 25. Dezember 2011, 19:10

Hallo Mike,

habe mir die ganzen theoretischen Infos reingezogen, aber welcher Effekt bei Zinkguss oder bei zinkpest-verseuchter Oberfläche oder -Rissen entsteht habe ich nicht gefunden.

Setz mal den genauen Link dazu rein; bin richtig heiß geworden.
es grüßt mit öligen Fingern, Stefan aus dem Bottwartal

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