R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Modifikationen, Tuning, Styling oder einfach rumspinnen....
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Gobi
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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von Gobi » 3. November 2015, 13:16

Spannend!

Wasserglas kenne ich vom Malerbedarf her, das ist zwar ein Silikat, hat aber mit Glas nicht wirklich was zu tun. Mag sein, daß es dichtet, wenn nicht mechanisch beansprucht, aber eigentlich ist das schon ein ziemlich bröseliges Zeug, ich weiß nicht, ob das so der Hit ist fürs Zündkerzengewinde...
Wenn du tot bist, dann bist du lange Zeit tot.
Burt Munro

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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von onkel » 3. November 2015, 13:23

Wasserglas ist ein altes Dichtmittel, aber für den gedachten Einsatzzweck meiner Meinung nach nicht geeignet.
Irgendwo habe ich auch noch einen Originalauszug aus einem altem Rep-. Buch glaube Maier.

Einfach eine Buchse drehen , seit Jahrzehnten Bewährt.
Gewindebohrung mit dem 2ten Vorschneider machen, Buchse fertigdrehen.
Dann heiß eindrehen.

Das mit den Stehbolzen sehe ich mehr als kritisch, das wird nicht halten
Gruss Onkel,
aus dem wilden, sonnigen Süden

http://www.bmw-r35.de

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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von Andrebiker » 5. November 2015, 10:53

Wer auf Nummer sicher geht, verstiftet dann die Buchse noch.

VG, André
Unsere Motorräder laufen nun schon 60 Jahre, trotz so angeblich untragbarer Dinge wie Kontaktzündung und mechanischer Regler. Oder vielleicht gerade deshalb?

PS: Ich danke allen, die zur Sache nichts zu sagen hatten und trotzdem geschwiegen haben.

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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von nafets » 5. November 2015, 21:01

Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich weiß nicht, ob sich diese Stahlbüchse* so einfach rausbohren läßt.

In der Instandsetzungsanleitung steht: Wie im Bild l0a (7) zu erkennen ist, ist eine Stahlbüchse zum Einsatz der Zündkerze in den Kopf eingegossen.

Bild
Aus dem Schnittbild durch den Kopf kann ich aber nicht abschätzen, welchen Durchmesser diese eingegossene Büchse hat, aber vom Durchmesser schaut das "schwarze Teil" doch recht groß aus. Irgendwie hab ich auch in Erinnerung, daß es einen Beitrag gab, in dem das Problem geschildert wurde, daß im Bereich der Zündkerze Öl austritt, könnte das gleiche Problem gewesen sein, hab den Beitrag aber nimmer gefunden, oder ich täusch mich auch.


Zur Zugfestigkeit der eingesetzten Bolzen: Hab heute einfach mal einen durchbohrten Aluzylinder reihum auf jeden Bolzen gesteckt und darauf eine Mutter mit 25Nm angezogen. Dabei hat sich nichts gerührt. Mit mehr sollte man doch einen Bolzen mit M8-Gewinde und 8.8 Zugfestigkeit auch nicht anziehen?

Gruß
Stefan

*heißt es eigentlich (Stahl)büchse oder buchse?

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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von oldiMike » 6. November 2015, 05:02

Der beitrag war vom jani, er hat jetzt nen neuen kopf, ah zylinder kopf :oops: :lol:
auf der suche nach Original Kolben für Die EMW Ø > 72mm auch gebraucht.

Motorräder werden"Angetreten"und nicht gedrückt!

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nafets
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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von nafets » 27. Juli 2017, 22:27

Hallo liebe Forumsmitglieder,
endlich konnte ich wieder etwas weitermachen. Hier meine geänderte Kurbelwelle im Vergleich zum Original:

Bild

Das Pleuel, das Lager und der Kurbelzapfen stammen von Suzuki. Rollenlager ist viel massiver und breiter.
Der Zapfen ist original einfach gerade durchgehend ohne die seitlichen Absätze wie bei der R35. Den hab ich dann seitlich runtergedreht und gekürzt, so daß er zu den Bohrungen in den Kurbelwangen paßt. Das ganze um 1,5mm exzentrisch, so daß die Welle jetzt 3mm mehr, also 87mm Hub hat.
Hat mich mit dem exzentrischen Drehen und zuletzt Schleifen der Zapfen definitiv an die Grenzen meiner Möglichkeiten gebracht.


Da der Pleuelfuß breiter ist mußte ich auch die Kurbelwangen entsprechend ausnehmen, weil die Kurbelwelle natürlich nicht länger werden darf. Dabei war das komplizierteste, das Aufspannen auf der Drehbank, weil ich die Lagerzapfen nicht rauspressen wollte:

Bild


Das Zusammenpressen hat mir, wie auch das auseinanderpressen der Freund eines Bekannten gemacht, der so etwas früher beruflich gemacht hat. Vorallem das Richten der Kurbelwangen zueinander, so daß die Welle dann auch schön läuft, hat er wunderbar hinbekommen. Presskraft waren knapp 10 Tonnen.
Das Wellenlager hat er mir mit einer geführten Reibahle auch gleich passend gerieben.

Ein längeres Pleuel ist deshalb nötig, weil ich nicht den alten schweren und hohen Kolben verwenden wollte.
Wäre sowieso nicht gegangen, weil der Zylinder geschliffen werden mußte. Stattdessen kommt ein kurzer moderner Kolben vom Opel Astra rein. Hätte natürlich lieber was von Firma BMW genommen, aber da gabs leider nichts passendes in Durchmesser und Kompressionshöhe. Und genau wegen der geringen Kompressionshöhe des Kobens, muß das Pleuel entsprechend länger sein. Ein wenig mehr Kompression fällt dabei auch noch an.

Damit der R4 Zylinder ins R35 Gehäuse paßt mußte noch etwas Platz geschaffen werden. Konnte ich auch auf der Drehbank machen, wäre mit Feile sicher schneller gegangen, aber so siehts schöner aus und außerdem war ich damit gezwungen endlich mal den Support für die dritte Achse auf die Drehbank zu bauen:
Bild

Im Bereich der Stehbolzen ist innen etwas zu viel Guß:
Bild

Bild

Jetzt paßt der Zylinder schön auf und in das Gehäuse:
Bild


Mit dem auf 81mm geschliffenen Zylinder und den 87mm Hub komm ich jetzt auf ziemlich genau 450cm³.
War jetzt nicht genau das Ziel, aber schön, daß es grad so ausgeht.

R45supersport :banane:

Und der Kolben wiegt gegenüber dem alten mit 478g jetzt nur noch 315g :) inklusive Ringe, Bolzen und Sicherungen:

Bild


Nuten für die Sicherungen mußte ich einstechen, weil bei diesem moderen Kolben der Bolzen eigentlich ins Pleuelauge gepresst wird und im Kolben dreht. Aber das wollte ich nicht.
Mit der geringen Höhe und den schmalen Ringen sollte der schön reibungsarm laufen.
Zur Berechnung dess Wuchtverhältnises muß ich die Welle noch wiegen.
Dann kann es langsam wieder an den Zusammenbau gehen.

Werde natürlich weiter berichten.

Gruß
Stefan
Zuletzt geändert von nafets am 28. Juli 2017, 00:28, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von Bert » 28. Juli 2017, 06:30

Und dann kommt der Vergaser dran denn bei 450 ccm bekommst du zu wenig Luft durch den Vergaser mit den Düsen geht das die sind dann so bei 0,40 - 0,75 - 0,85
Mit EMW R35+Stoye 1953, BMW R35 1937, Rt 125 1962, AWO Sport 1961, S51 1988

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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von littleego » 28. Juli 2017, 07:50

Hallo Stefan,

das schaut extrem spannend aus. Vor allem arbeitest Du Dich professional vor. Ich bin gespannt auf den ersten Fahrversuch. Zum Kolben. Denkst Du das der geeignet ist? Es heißt ja immer das die Kolben für die wassergekühlten Motoren nicht in luftgekühlten funktionieren würden. Evtl. würdest du ja bei Ducati fündig werden. Die haben ja noch einige luftgekühlte Motoren am Start.

Viel Spaß weiterhin.
Grüße
Kai

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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von Speedy24 » 28. Juli 2017, 10:04

Sehr interessant, Daumen hoch! :top:
Meine '49 Awtowelo BMW R35 - Suche: Innenzughebel, Auspuff Schwalbenschwanz BMW, Sitzbezug, Lagerschild und und und..

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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von nafets » 28. Juli 2017, 13:52

Hallo Kai,

Der Kolben hat 80,960mm und sollte im wassergekülten Astra in einer Büchse mit 81,000mm laufen, also 0,04mm Einbauspiel.
Wegen Luftkühlung hab ich den Zylinder schleifen lassen auf 81,030mm damit sich das Einbauspiel mit dem neuen Kolben zu 0,07mm ergibt.
Hoffe, daß das dann ausreicht.

Weiß zufällig jemand das Spiel der Kurbelwelle in Längsrichtung. Dürfte eigentlich nicht viel sein, weil sich doch das Alugehäuse bei Wärme mehr dehnen sollte als wie die Welle?

Gruß
Stefan

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Haui
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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von Haui » 28. Juli 2017, 20:30

Respekt!!! Ich habe ja auch schon mit professionellem Equipment 2 Motoren überholt und kann das gut nachvollziehen was Du da leistest. Meines Wissens hat die KW ca. 0.4mm axiales Spiel plus/ minus 0.1mm.
Bisher hatte ich immer den Wissensstand, daß die Stehbolzen vom R 35- Motor nicht kompatibel zum R 4 Zylinder sind. Offensichtlich ist das aber falsch. Oder?
Derzeit restauriere ich einen Seitenwagen für meine R 35. Sollte sich dann zeigen, daß ich mehr Bumms brauch' so ist mein Plan -B- auch ein leistungsgesteigerter Motor. Hierbei spukt mir aber auf Grund meiner Möglichkeiten im Kopf herum neue Kurbelwangen zu drahtschneiden, welche mehr Hub bringen, aber letztlich ist da noch mehr zu prüfen bevor man los werkelt. Wünsche Dir weiter viel Erfolg!

Ciao Haui
Gott (?) gebe mir den Mut Dinge zu ändern, welche ich ändern kann, die Gelassenheit Dinge hinzunehmen welche ich nicht ändern kann und die Weisheit das Eine vom Anderen zu unterscheiden!

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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von mw1976 » 28. Juli 2017, 20:47

Ich bin beeindruckt von der Arbeit. Halt uns bitte weiter auf dem Laufenden.

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nafets
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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von nafets » 29. Juli 2017, 21:13

So, jetzt mal das Wuchtverhältnis ermittelt mit:
- wieviel Gewicht muß an das Pleuel einer leicht drehbaren Kurbelwelle drangehangen werden, damit sie in jeder Lage stehen bleibt = G?
- wieviel Gewicht drückt der Pleuelkopf, wenn er bei waagerechtem Pleuel auf eine Wage gelegt wird = P?
- was wiegt der Kolben komplett mit Ringen, Zapfen und Sicherungen = K?
und dann mit der Formel das Auswuchtverhältnis in Prozent bestimmen A = 100 x (G + P) / (K + P)

in meinem Fall:
G = 62g
P = 168g
K = 315g

also A = 100 x (62g + 168g) / (315g + 168g) [Ergebnis in Prozent]
A= 48%

48% ist zwar mehr (besser) als bei den beiden Kurbelwellen, bei denen ich das bisher ermittelt hatte und auch was die meisten Werte der anderen Forumsmitglieder im Beitrag "Auswuchten der Kurbelwelle ° geschrieben hatten. Aber dennoch zu wenig im Vergleich zu den laut Apfelbeck anzustrebenden 50% als gutes Mittelmaß, bzw 60% und mehr bei stehenden Einzylindern.
Für 50% müßte ich am Kolben und/oder Bolzen 23g holen, ich glaub das geht nicht, also zusätzliches Gewicht auf die Kurbelwangen gegenüber dem Hubzapfen.
Wenn ich richtig gerechnet habe, wären das für 50% => 74g für 60% => 122g und für 70% => 170g

Gruß
Stefan

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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von schraubkruemmer » 30. Juli 2017, 12:24

Ob das am Ende wirklich was bringt??? Es wird nie ein Rennpferd werden...
Trotzdem :top: und auch gute, ordentliche Arbeit - Verneigung!
:danke: auch, das solche Arbeiten hier im Forum preisgegeben werder - super!

Grüße Tobias
"The difference between men and boys is the size of their toys."
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Re: R4 Zylinder und Kolben auf der R35

Beitrag von RobertD » 30. Juli 2017, 13:52

Mehr Hubraum ist halt auch mehr Drehmoment und ich glaube, dass ist bei der Maschine ausschlaggebend. Gerade, wenn man einen Beiwagen fahren möchte wäre so ein Umbau mehr von Vorteil, dann könnte man auch die Soloübersetzung beibehalten. Die Leistung steigt irgendwo ein wenig mit, Rennen bestreiten fällt trotzdem flach.
Gruß Robert

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