Abgerissener Bolzen am Getriebe.

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Saxoni
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Re: Abgerissener Bolzen am Getriebe.

Beitrag von Saxoni » 27. September 2019, 16:01

Hallo an die/alle Schrauber mit den abgerissenen Bolzen.
Wie wäre es denn mal über dieses Problem grundsätzlich etwas tiefer nachzudenken. In meiner letzten Firma ISO2001 Zertifiziert mussten alle Schraubverbindungen mit einem definierten Drehmomentwerkzeug angezogen werden. Das heißt zum Beispiel bei M3 etwa 0,35....0,45 NM (Newtonmeter) bei M4 ungefähr ,045....0,55 NM. Bei den größeren Bolzen dann entsprechen mehr.
In meiner Schrauberzeit habe ich viele Zeitgenossen kennen gelernt, die schrauben bis eintausendstel kurz vor "ab". Nach fest kommt nun mal ab. Wenn man sich da nun mal in die physikalischen Kräfte reindenkt, was so ein 10ner Schlüssel beim festziehen auf das Gewinde für Ausreiskräfte entwickeln kann, ist das schon beachtlich, das die Gewinde und Bolzen bei so manchem Schhraubergesellen überhaupt noch gehalten haben. Man darf nicht vergessen das das Gewinde mit seiner Steigung genauso zu betrachten sein sollte, wie eine Schneckenübersetzung. Nach der Schnecke ist die Geschwindigeit relativ langsam, aber die übertragene Kraft kann gewaltig sein, die da entwickelt wird. Ich habe nun auch keine Drehmomentwerkzeuge mehr, aber nach langer Tätigkeit damit das ungefähre Gefühl mir noch ganz gut erhalten. Ein Vergaser mit ca. 300 Gramm Gewicht zum Beispiel muss nicht mit Bärenkräften am Flansch regelrecht angebrummt werden.
Auch das Getriebe an dem Motorflansch mit 5 x M10 muss nicht Übernormal gewaltig angebrummt werden. Mein Gefühl würde hier mal sagen ungefähr 0,75 ....0,85 NM reichen da völlig aus.
Kleiner Tipp für ängstliche Schrauber : es gibt da den Schraubensicherungslack von Loctite in BLAU , den nehme ich immer, weil der die Schrauben zuverlässig in der angeschraubten Position hält. Muss dennoch mal wieder aufgeschraubt werden, krümmelt der wie zerriebener blauer Gummi aus dem Gewinde. Den Grünen Loctit Schraubensicherungslack empfehle ich nicht, da der härter ähnlich wie Glas wird, und damit das lösen dierser Verschraubungen kritscher sein kann.
Ich bin damit auch beginnend in meinem Berufleben immer gut gefahren, und gebe diesen Tipp gern weiter, weil ich das auch heute so mache. Dafür muss ich weniger anbrummen......denn nach endlos schrauben Richtung "FEST" kommt ganz plötzlich der Moment des "AB" gerissen. :danke:

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RobertD
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Re: Abgerissener Bolzen am Getriebe.

Beitrag von RobertD » 27. September 2019, 19:13

Also bei Drehmomenten von Nullkommairgendwas... Da kann man die Muttern (übrigens M6) am Getriebeflansch auch mit den Fingern anziehen.
Wer es genau nehmen will, der schaut in entsprechende Drehmomenttabellen. Und dem nach sollten die Muttern, exemplarisch am Getriebe, mit 6-10Nm angezogen werden.
Gruß Robert

Jens172
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Re: Abgerissener Bolzen am Getriebe.

Beitrag von Jens172 » 27. September 2019, 19:34

Hi,
mir kam das auch komisch vor. Er meint vermutlich daNm als Einheit. Da würde es dann wieder passen.

https://www.lorenz-messtechnik.de/deuts ... moment.php

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RobertD
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Re: Abgerissener Bolzen am Getriebe.

Beitrag von RobertD » 29. September 2019, 11:31

Ja, dann kommt das hin. Wie es oft aus Gewohnheit so ist... Das eine schreiben und das andere meinen. Passiert und allen mal :pat:

Aber ja, ordentlich mit Drehmoment arbeiten bringt mehr, als wenn man über all nach "zieh fest die scheiße" arbeitet. In meiner alten Firma gab es für die Montage dann auch mal einen internen Kurs für den richtigen Umgang mit Drehmomentschlüsseln, damit auch alle einheitlich arbeiten. Ansonsten kann man die Drehmomente auch weg lassen, wenn jeder macht, wie er denkt...
Gruß Robert

Christian81
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Re: Abgerissener Bolzen am Getriebe.

Beitrag von Christian81 » 17. Oktober 2019, 17:41

Hallo Gemeinde,

Ich möchte mich auch mal wieder zu Wort melden.
Habe meine Teile (Zylinder, Kolben und Kopf) von der Regeneration bekommen. Die Teile kamen gut verpackt und getsrahlt bei mir an. Altteile wurden ebenso mitgeschickt. Alles machte einen sehr guten Eindruck.

Nachdem ich ein längeres Telefonat mit dem Vor-Vorbesitzer der EMW und dem Schrauber, der den Motor damals regeneriert hatte getätigt hatte, wurde mir einiges klar.

Der Motor hatte eine neue KW/ NW bekommen. Steuerräder und Kette auch. Das habe ich auch gesehen. Beim Kopf wurde fast nichts gemacht, wahrscheinlich lag es am Geld...

Will das auch nicht weiter breit treten...

Ich habe bei der Gelegenheit gleich einen Kettenspnner montiert und eins/zwei Probleme an der Zünddose behoben. Nachdem alle Teile montiert waren, ich zuvor jeden Arbeitsschritt dreimal kontrolliert und dem Schwarzarbeiter etliche Minuten seiner Freizeit am Telefon geraubt hatte, konnte ein vorsichtiger Versuch erfolgen. Den Deckel/ Haube am Kopf hatte ich ab gelassen.

Benzinhahn auf, dreimal am Vergaser Vorgetippt und sie sprang beim ersten Kick an :D :D :D :D
Nach ca. 1,5-2min sprudelete das Öl satt aus den Röhrchen am Kopf. Sie lief viel ruhiger als zuvor und qualmte auch nicht mehr wie ein Trabant...
Heute folgte dann die erste Probefahrt von ca. 12km. Ich kann nur sagen, dass ich zufrieden bin. Ich erkenne das Motorrad gar nicht wieder. Es macht wirklich Spaß damit zu fahren. Das Klackern ist erheblich weniger geworden. Ob es nun am Spanner, der neuen Garnitur, oder den Ventilen liegt, kann ich nicht sagen.

Ich hoffe das alles so bleibt und nicht gleich wieder das nächste Problem auftaucht.

Nochmals Dank für die hilfreichen Beiträge hier und ganz herzlichen Dank an Schwarzarbeiter !

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